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Apothekertag Mecklenburg-Vorpommern

»Wir müssen etwas tun, um die Versorgung zu sichern«

Sind bald Sicherstellungszuschläge notwendig, um die Arzneimittelversorgung im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern auch künftig zu gewährleisten? Wie müssen die Rahmenbedingungen für Apotheken verbessert werden, damit der Beruf auch für junge Menschen attraktiv ist? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Apothekertages Mecklenburg-Vorpommern am 12. November in Warnemünde.
Anne Orth
15.11.2022  16:00 Uhr

In seiner Rede zur Eröffnung des Apothekertages Mecklenburg-Vorpommern lobte Kammerpräsident Georg Engel den Einsatz der Kolleginnen und Kollegen während der Pandemie. Sie hätten es geschafft, die Betriebe offenzuhalten. Sie hätten ad hoc Desinfektionsmittel hergestellt, Masken verteilt, Testzentren aufgebaut und betrieben sowie Impfzertifikate digitalisiert. »Dafür haben wir Dank und Lob von der Bevölkerung und der Regierung bekommen. Darüber freuen wir uns«, sagte Engel.

Der Kammerpräsident wies darauf hin, dass auf das Gesundheitswesen in den nächsten Jahren große Probleme zukämen und erhebliche Defizite zu erwarten seien. Angesichts des Ärztemangels sei zu überlegen, ob Apotheken in der Fläche nicht noch stärker unterstützen und weitere Aufgaben übernehmen könnten. »Apotheker sind die akademischen Heilberufler, die von der Bevölkerung zeitnah und niederschwellig erreicht werden können«, betonte Engel. Sie könnten beispielsweise eine aktive Rolle bei der Prävention zur Förderung gesunder Verhaltensweisen übernehmen und Wiederholungsverordnungen für chronisch Kranke ausstellen. Vorstellbar sei auch, dass Apotheker in Abstimmung mit dem Hausarzt im Rahmen definierter Handlungsvorgaben insbesondere bei Versorgungsengpässen geeignete Medikamente auswählen und abgeben könnten.

Zahl der Apotheken gesunken

Das zweite große Problem sei die Finanzierung der Kosten. »Wenn es um Einsparungen geht, dann fallen der Politik immer als Erstes die Pharmahersteller und die Apotheker ein«, kritisierte Engel. Dabei sei der Anteil der Apotheken an den Arzneimittelkosten gering. Außerdem brauche jeder Arzneimittelhersteller und auch jede Apotheke eine gewisse Rendite. In diesem Zusammenhang ging der Kammerpräsident auf die finanziellen Rahmenbedingungen der Apotheken ein. Seit Jahren bleibe die Vergütung hinter allen Messzahlen zurück. Gleichzeitig müssten die Inhaber höhere Tariflöhne und gestiegene Energiekosten bewältigen.

Engel kritisierte, dass nun mit dem GKV-Spargesetz auch noch der Apothekenabschlag zwei Jahre lang von 1,77 auf 2 Euro erhöht wird. Das bedeute in der Summe eine Kürzung des Honorars um etwa 140 Millionen Euro. »Die Apotheker haben sich in der Pandemie krumm gemacht, und jetzt müssen sie Einbußen hinnehmen«, bemängelte Engel. Die Diskrepanz zwischen gesunkenen Einnahmen und höheren Belastungen führten dazu, dass immer weniger Pharmazeuten Lust hätten, eine Apotheke zu eröffnen oder zu leiten. Die Folge sei, dass die Zahl der Apotheken auf unter 380 gesunken sei. »Wir sind in einer Situation, in der wir etwas tun müssen, um die Versorgung mit Arzneimitteln in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin zu sichern«, betonte der Kammerpräsident.

Dass es zunehmend schwierig ist, die Versorgung der Bevölkerung in der Fläche sicherzustellen, wurde auch in den anschließenden Impulsvorträgen der gesundheitspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen sowie während der Podiumsdiskussion deutlich. Dabei unterschieden sich die Lösungsansätze der eingeladenen Politiker.

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