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Opioid-Krise in den USA

Will Oxycontin-Hersteller Klagewelle umgehen?

Wenn es um die Schuld beim Opioid-Missbrauch in den USA geht, wird mit dem Finger oft auf das Unternehmen Purdue Pharma gezeigt. Der Konzern verdiente seit Mitte der 1990er-Jahre ein Vermögen mit dem Schmerzmittel Oxycontin®. Mithilfe einer Insolvenz könnte der Hersteller jetzt versuchen, eine Klagewelle zu umgehen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin »Spiegel«. Auch US-Präsident Donald Trump mischt juristisch mit.
Jennifer Evans
07.03.2019
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Den US-Gesundheitsbehörden zufolge sterben pro Tag durchschnittlich 130 Menschen in den Vereinigten Staaten infolge eines Opioid-Missbrauchs. Am Pranger steht unter anderem das Unternehmen Purdue Pharma aus dem US-Bundesstaat Connecticut. Bei der Vermarktung des Retardpräparats Oxycontin® warb es mit dem irreführenden Verkaufsargument, dass durch die verzögerte Freisetzung des Wirkstoffs kein Suchtrisiko bestehe. Bis heute hat der Konzern nach Angaben des US-Wirtschaftsmagazins »Forbes« insgesamt 35 Milliarden US-Dollar (knapp 30 Milliarden Euro) an dem Oxycodon-haltigen Präparat verdient. Hinter Purdue Pharma steht die Milliardärsfamilie Sackler.

Allein am Bundesgericht in Ohio sind derzeit 1600 Klagen gegen das Unternehmen anhängig, berichtet der »Spiegel«. Der erste Prozess starte im Mai in Oklahoma. Insgesamt gingen mehr als 30 US-Bundesstaaten juristisch gegen Purdue Pharma vor. Auch US-Präsident Donald Trump hat sich demnach eingemischt und will mit seinem Justizminister in Sachen Opioid-Geschäfte vor Gericht ziehen.

Bislang habe der Konzern aber alle Vorwürfe zurückgewiesen, Purdue Pharma wolle nicht der Sündenbock für die Opioid-Krise im Land sein, schreibt der »Spiegel«. Auch verweist das Magazin auf Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Daraus geht hervor, dass das Pharma-Unternehmen vor hat, Insolvenz anzumelden. Es soll Spekulationen zufolge dabei um eine gezielte Pleite gehen, weil der Konzern eigentlich nicht verschuldet ist. Im Insolvenzfall würden nach amerikanischen Recht aber alle laufenden Gerichtsverfahren eingefroren, heißt es. Ein späterer Vergleich mit allen Klägern gebündelt wird dann wahrscheinlicher, so das Nachrichtenmagazin. Die Insolvenzklausel sei für US-Unternehmen daher oft ein Ausweg. 

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