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Lungeninfektionen

Wie wird eine Coronavirus-Infektion behandelt?

Spezifische Medikamente gegen Coronaviren gibt es bislang nicht. Die Behandlung erfolgt somit symptomatisch. Experimentell eingesetzt werden auch bestimmte HIV-Mittel.
Daniela Hüttemann
28.01.2020
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Noch gibt es kaum wissenschaftliche Literatur, wie die aktuellen Infektionen mit dem neuen Coronavirus 2019-nCoV derzeit behandelt werden. Laut einem »Lancet«-Bericht vom 24. Januar über die ersten 41 Erkrankungsfälle erhielten einige der Patienten orale oder intravenöse Antibiotika (ohne genauere Nennung) und den Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir (zweimal täglich 75 mg). Bei schwerer Lungenentzündung gaben die chinesischen Ärzte auch Methylprednisolon (40 bis 120 mg am Tag). Manche Patienten erhielten Sauerstoff über die Nase oder wurden gar intubiert (DOI: 10.1016/S0140-6736(20)30183-5).

Bei der SARS-Pandemie 2002/2003 wurden Patienten ebenfalls mit Corticosteroiden sowie dem Hepatitis-C-Mittel Ribavirin behandelt. Erste Berichte hatten vielversprechend geklungen, heißt es in einem Review aus dem Jahr 2007. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Toxizität von Ribavirin zu hoch und der antivirale Effekt zu niedrig war. Das Einnahmeschema und die Dosierung von Corticosteroiden seien umstritten. Auch Interferon wurde eingesetzt, um den Heilungsprozess zu unterstützen.

Zudem erhielten die Patienten gegebenenfalls schmerz- und fiebersenkende Mittel wie Paracetamol und Ibuprofen sowie bei gastrointestinalen Symptomen wie Durchfall auch Elektrolytlösungen.

Damals wurde den SARS-Patienten auch versuchsweise das HIV-Mittel Kaletra® gegeben. Es enthält die beiden HIV-Protease-Hemmer Lopinavir und Ritonavir. Wie nachfolgende Studien zeigten, scheinen die Wirkstoffe über Wasserstoffbrücken einen Komplex mit SARS-Viren zu bilden (DOI: 10.1016/j.jtbi.2008.07.030).

Medienberichten zufolge habe eine Sprecherin des US-Pharmakonzerns AbbVie bestätigt, dass die chinesischen Gesundheitsbehörden das HIV-Mittel Kaletra angefordert hätten, das auch unter dem Namen Aluvia® vertrieben wird.

An spezifischen Wirkstoffen gegen Coronaviren wird geforscht, zum Beispiel an der Uni Lübeck. Einem Bericht von Zeit online zufolge forscht die Arbeitsgruppe des Biochemikers Professor Dr. Rolf Hilgenfeld bereits seit vielen Jahren an Substanzen, die Coronaviren hemmen. Die Wirkstoffe befinden sich jedoch noch im experimentellen Stadium und sind noch nicht klinisch getestet.

Hilgenfeld hält neben Lopinavir/Ritonavir noch den neuen Arzneistoff Remdesivir für vielversprechend. Er sei ursprünglich gegen das Ebola-Virus entwickelt worden, wirke in Zellkulturen aber auch gegen SARS- und MERS-Coronaviren. Es wurde jedoch diesbezüglich noch nicht an Menschen getestet.

Der Pharmakonzern Bayer berichtete, er habe dem chinesischen Roten Kreuz Medikamente und Geld im Wert von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Hilfspaket enthält das Antibiotikum Moxifloxacin (Avelox®), das Vitamin-C-Präparat Redoxon®, das Fieber- und Schmerzmittel Saridon® mit Ibuprofen sowie die Kontrastmittel Gadovist® und Ultravist®, die für bestimmte MRT- und Röntgenuntersuchungen benötigt werden. Die Medikamente haben einen Wert von 850.000 Euro, hinzu kommen 600.000 Euro Spendengeld für Schutzkleidung für das medizinische Personal in Wuhan.

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