| Alexandra Amanatidou |
| 21.07.2026 16:20 Uhr |
Kultursensible Pflege soll die individuellen sprachlichen, kulturellen und religiösen Bedürfnisse pflegebedürftiger Menschen stärker berücksichtigen. / © Adobe Stock/bilderstoeckchen
Für Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) könnte Mittwoch, der 22. Juli, die letzte Möglichkeit vor der Sommerpause sein, ihren Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) durch die Ministerrunde zu bringen. Damit will sie die Pflegekassen stabilisieren und den allgemeinen Beitragssatz von 3,6 Prozent konstant halten. Denn für das Jahr 2027 wird ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro erwartet. Das Gesetz soll mit einem zusätzlichen Risiko-Puffer einen Finanzbedarf von 11,2 Milliarden Euro decken.
Dafür soll die kostenfreie Mitversicherung von Partnern eingeschränkt werden. Minijobber sollen künftig Pflegebeiträge zahlen und der Beitrag von Kinderlosen soll auf 4,3 Prozent steigen. Der Sozialverband VdK warnt vor den Folgen und erheblichen Verschlechterungen, die das Gesetz mit sich bringen könnte. Denn geplant ist auch, die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige zu verringern, den Zugang zu Pflegegraden zu erschweren und einige Leistungen zurückzufahren.
Wie eine Kleine Anfrage der Linken an die Bundesregierung ergeben hat, gibt es in Deutschland über fünf Millionen pflegebedürftige Menschen. Konkret sind deutschlandweit 5.688.473 Menschen auf ambulante und vollstationäre Pflege angewiesen. Mit ihrer Anfrage macht die Linkspartei jedoch auch ein anderes Thema auf: die »kultursensible Pflege«.
Laut der Krankenkasse AOK bezeichnet der Begriff »kultursensible Pflege« eine pflegerische Versorgung, die es pflegebedürftigen Menschen ermöglicht, entsprechend ihrer individuellen Werte sowie ihrer kulturellen und religiösen Bedürfnisse zu leben.
Für Die Linke hängt das eng mit der Berücksichtigung der Muttersprache zusammen. Diese findet laut der Fraktion keine ausdrückliche Erwähnung in der generalistischen Pflegeausbildung, obwohl der Beruf »einen starken Lebensweltbezug verfolgt«.
Warum kultursensible Pflege wichtig ist, zeigt der demografische Wandel in Deutschland. Laut Daten des Recherche-Portals »Mediendienst Integration« lebten im Jahr 2025 rund 25,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, was 31,1 Prozent der Bevölkerung entspricht. Im Jahr 2024 betrug der Anteil der Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der Altersgruppe ab 65 Jahren laut dem Statistischen Bundesamt 14 Prozent.