Ein offener Austausch darüber, was Scham auslöst, kann die Pflege erleichtern – für beide Seiten. Auch kann es sinnvoll sein, einen Pflegedienst einzubinden. / © Getty Images/ Alistair Berg
»Ich brauche keine Hilfe!« - hinter so einer Aussage kann bei pflegebedürftigen Angehörige Scham stecken. Wenn sie notwendige Hilfe ablehnen, ist es wichtig, offen und sensibel darüber zu sprechen.
Denn bleibt das Schamgefühl unausgesprochen, kann dies für Pflegebedürftige - aber auch für pflegende Angehörige - belastend sein. Und im schlimmsten Fall sogar zu einem sozialen Rückzug und Einsamkeit führen. Darauf macht das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) aufmerksam.
»Du hast hier nichts zu bestimmen!« - klar, niemand möchte sich bevormunden lassen. Das ZQP erklärt: Scham kann entstehen, wenn sich Pflegebedürftige von Hilfe abhängig fühlen, nicht mehr selbstbestimmt handeln können und sich als Last für andere empfinden.
Das Problem: Wer sich schämt, reagiert häufig sprachlos oder wie gelähmt, und möchte am liebsten der Situation entkommen, so das ZQP. Scham kann sich aber auch in Form von Wut äußern. Daher ist es wichtig, heftige Gefühle bei Pflegebedürftigen zu hinterfragen.
Wo die eigene Schamgrenze liegt, ist sehr unterschiedlich. Gerade in der Pflege gibt es viele Auslöser - für beide Seiten. Da sind etwa intime Momente bei der Körperpflege oder dem Toilettengang, oder Themen wie Inkontinenz, ein nachlassendes Gedächtnis sowie körperliche Gebrechen.
All das kann auch bei pflegenden Angehörigen Schamgefühle auslösen. Genauso wie fehlende Anerkennung, Überforderung oder ein schlechtes Gewissen, wenn Angehörige denken, dass sie den Erwartungen anderer bei der Pflege nicht gerecht werden.
Auch wenn es sich unangenehm anfühlt: Scham hat eine schützende Funktion: Sie zeigt Grenzen auf. Deshalb kann ein offener Austausch darüber, was genau die Scham auslöst, helfen, Regeln miteinander zu entwickeln und diese einzuhalten. Das wirkt für beide Seiten meist entlastend und kann laut ZQP das gegenseitige Verständnis und ein liebevolles Miteinander fördern.