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Introversion und Extraversion
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Wie stabil ist die Persönlichkeit?

Wer Partys liebt, gilt schnell als extravertiert – wer lieber allein auftankt, als introvertiert. Sind diese Kategorien wirklich aussagekräftig und lässt sich die eigene Persönlichkeit verändern? Experten erläutern neue Perspektiven der Persönlichkeitsforschung.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 21.05.2026  14:30 Uhr

Bin ich jemand, der auf Partys aufblüht? Oder brauche ich nach einem langen Tag vor allem Stille und Ruhe Hinter solchen Alltagsbeobachtungen steckt eine der ältesten Unterscheidungen der Psychologie: Extraversion und Introversion. Was bringt diese Einordnung und lässt sich der Persönlichkeitstyp verändern?

Die Begriffe Extraversion und Introversion prägte der Schweizer Psychoanalytiker Carl Gustav Jung in seinem Werk »Psychologische Typen«: Extraversion bedeutet, dass sich die psychische Energie eher nach außen richtet – bei Introversion nach innen.

Doch diese Begriffe sind keine starren Kategorien, sondern Pole eines Spektrums. »Die harte Einteilung in Typen ist eine Vereinfachung«, sagt der Mediziner Dirk Stemper, der in Berlin eine Privatpraxis für Psychotherapie betreibt. Es geht um Verhaltenstendenzen, also Vorlieben.

Extravertiert heißt nicht oberflächlich

Extraversion ist dabei eine der fünf großen Grunddimensionen der Persönlichkeitspsychologie, die sogenannten Big Five. Sie beschreibt eine Tendenz zu Geselligkeit, Aktivität, Durchsetzungsfähigkeit und der Suche nach sozialen Reizen. Extravertierte sind typischerweise spontan, denken häufig laut und fühlen sich in Gesellschaft wohl. »Das hat nichts mit Oberflächlichkeit zu tun«, sagt Stemper. Extraversion sage nichts über Tiefe oder Intelligenz eines Menschen aus.

Introvertierte Menschen zeigen diese Eigenschaften weniger stark. Sie sind zurückhaltender, schätzen Ruhe und verarbeiten Eindrücke stärker nach innen. »Introvertierte mögen kleinere, vertraute Gruppen und ermüden schneller in sehr stimulierenden Umgebungen«, sagt Frank Spinath, Professor für Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität des Saarlandes. Schüchternheit oder gar soziale Phobien sind damit nicht gemeint.

Stemper stellt in diesem Zusammenhang klar: »Weder Extra- noch Introversion hat einen Krankheitsbezug«.

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