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Geschützt vor Covid-19?

Wie man Immunität nachweist

Die T-Zellen des Immungedächtnisses werden nicht direkt nachgewiesen. Vielmehr setzt man hier sogenannte Interferon-γ-Release Assays (IGRA) ein – ein altes Prinzip, das für Tuberkulosetests verwendet wird. Diese Assays messen die spezifische Freisetzung (Release) des Botenstoffs γ-Interferon durch T-Zellen, die spezifisch durch Exposition mit einem Antigen aktiviert wurden.

Hierzu inkubiert man heparinisiertes Vollblut mit Bestandteilen des Erregers, gegen den ein Immungedächtnis bestehen sollte. Sind in der Blutprobe spezifische T-Zellen gegen den Erreger vorhanden, binden die Erregerkomponenten an die T-Zellen und aktivieren diese. Dadurch schütten sie γ-Interferon (IFN-γ) aus, das in der Folge durch einfache immunologische Verfahren (ELISA, ELISPOT Assay oder Durchflusszytometrie) nachgewiesen und quantifiziert werden kann. Der Nachweis von IFN-γ liefert Rückschlüsse darüber, ob und in welchem Maß eine spezifische gegen den Erreger gerichtete T-zelluläre Immunabwehr vorhanden ist. Ein Ergebnis erhält man nach circa 8 bis 24 Stunden.

Bisher werden IGRA hauptsächlich zum Nachweis einer Immunität gegen das Tuberkulosebakterium oder gegen das zu den Herpesviren zählende Cytomegalievirus eingesetzt. Jetzt kamen aber bereits erste Testsysteme auf den Markt, die ein Immungedächtnis gegen SARS-CoV-2 detektieren sollen. So brachte die deutsche Diagnostikfirma Euroimmun im Januar ein SARS-CoV-2-Testsystem zur Bestimmung der T-Zellreaktion auf den Markt. Dieser IGRA-Test ist aber laut Hersteller nur für Forschungszwecke gedacht. Es könne im Labor sowohl manuell als auch automatisiert durchgeführt werden, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Hersteller hofft, dass »das Testsystem in wissenschaftlichen Studien zur Beurteilung der zellulären Immunantwort bei Covid-19-Patienten oder -Geimpften« hilfreich sein könnte.

Auch das deutsch-niederländische Unternehmen Qiagenstellte bereits im Dezember 2020 seinen Test QuantiFERON SARS-CoV-2 RUO vor, mit dem T-Zell-Reaktionen des menschlichen Immunsystems auf das Coronavirus nachgewiesen werden können. Der Test könne Forschern helfen, »mehr über Immunitätsniveaus und Krankheitsverläufe herauszufinden«, teilte das Unternehmen mit. Er ist also auch für Forschungszwecke bestimmt. Weitere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Tests, sodass vermutlich noch weitere Systeme folgen könnten.

Wie weit verbreitet sind diese Tests derzeit? ALM-Vorstandsvorsitzender Müller sagte hierzu: »Das sind sehr aufwendige zelluläre Tests, die nicht flächendeckend eingesetzt werden und speziellen Fragestellungen vorbehalten sind.«

Feucht bestätigte das: Diese Tests würden bislang kaum eingesetzt, außer in medizinischen Hochschulen. Die Wertigkeit solcher Untersuchungen außerhalb von Studien sei unklar. Kommerzielle T-Zell-Tests, die außerhalb von Speziallabors eingesetzt werden könnten, gebe es bislang nicht. Seiner Erfahrung nach seien die T-Zell-Tests mit Ausnahme des IGRA bei Tuberkulose nicht verlässlich gewesen. Es gebe kaum angebotene, validierte T-Zell-Tests gegen andere Erreger. »So etwas herzustellen ist nicht so einfach«, sagte Feucht.

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