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Demenzpatienten

Wie Gesichtsmasken besser akzeptiert werden

Das Tragen von Alltagsmasken kann Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen Probleme bereiten. Viele Demenzkranke haben Angst vor der Gesichtsbedeckung und wehren sich dagegen. Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg gibt Anregungen, wie man die Akzeptanz der Alltagsmasken erhöhen kann.
Brigitte M. Gensthaler
14.05.2020
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Menschen mit Demenz verstehen oft nicht, warum sie selbst eine Gesichtsmaske tragen sollen, erkennen Angehörige und Pflegende mit Mund-Nase-Schutz nicht mehr, können ein Lächeln nicht mehr sehen und fühlen sich fremd und bedroht. Es entstehen Ängste, Unruhe und Sorgen, die Abwehr, Übelkeit, Unruhe oder herausforderndes Verhalten auslösen können. Die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg gibt Tipps, wie es gelingen kann, demenzkranken Menschen auch im Umgang mit den Schutzmasken Normalität, Sicherheit und Ruhe zu vermitteln.

Um die Akzeptanz eines Mund-Nasen-Schutzes – vielleicht über kleinere Zeitspannen – zu erhöhen, raten die Experten zur guten Vorbereitung, um von Anfang an Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. So sollte man zum Beispiel Stoff, Farbe oder Muster des Mund-Nasen-Schutzes mit dem Betroffenen und nach seinen Vorlieben wählen und auf einfache Handhabung mit Gummi achten. Weiche hautfreundliche Stoffe oder ein Schal in der Lieblingsfarbe wirken weniger befremdlich als Einwegmasken.

Wichtig ist, dass dasTragen keine unangenehmen Hitze- oder Engegefühle auslöst, Ein- und Ausatmen nicht erschwert und ein Hörgerät nicht beeinträchtigt. Hilfe brauchen auch Brillenträger, weil das Beschlagen der Gläser Angst auslösen kann und die Sicherheit beeinträchtigt.

»Das Normalste der Welt«

Für den Kranken ist es hilfreich, wenn die Angehörigen und Pflegenden Normalität und Gelassenheit vermitteln, betont die Alzheimer-Gesellschaft und empfiehlt, mit der eigenen Maske umzugehen, als sei es »das Normalste der Welt«. Man kann das Anlegen so selbstverständlich wie das Ankleiden und Schuheanziehen vormachen und den Kranken mitmachen lassen. Mitunter hilft auch der Begriff »Gesichtsschal« statt »Maske«. Auch frohe Rituale können helfen: »Immer wenn die Maske getragen wird, machen wir zusammen etwas besonders Schönes.«

Sind Menschen mit Demenz unruhig und unausgeglichen, wird es kaum gelingen, ihnen eine Maske anzuziehen. Eine Betreuungskraft mit Maske erschreckt sie noch mehr. Eine ausgeglichene Stimmung erhöht dagegen den Erfolg, dass eine Gesichtsmaske bei sich oder den Mitmenschen toleriert wird. Hilfestellung beim An- und Ablegen, vor allem beim Essen und Trinken, ist nötig.

Es könne helfen, Schutzkleidung unter Beachtung der Abstandsregel erst nach der Begrüßung anzuziehen, damit der Demenzkranke zunächst ein vertrautes Gesicht erkennt. Es kann auch helfen, sich schräg gegenüberzutreten, damit der Blick nicht frontal auf die Gesichtsmaske fällt, und langsamer in Sprache und Mimik zu werden, damit der Kranke die Chance hat, trotzdem ein Lächeln und eine gewohnte Sprache zu erkennen.

In Betreuungseinrichtungen könne man in kleinen Gruppen ein Begrüßungsritual, zum Beispiel ein gemeinsames Lied, einführen, bei dem alle Gäste und Betreuer die persönliche Maske aufsetzen. Auch ein Sitztanz mit integriertem Anlegen der Maske könne genutzt werden.

Wichtig ist: Wenn Demenzkranke das Anlegen von Masken abwehren, sollte man sofort einlenken und aufhören. Diskussionen, Überzeugungsversuche und Druck verschlimmern die Situation für alle Beteiligten. »Man kann das Tragen nicht erzwingen«, schreiben die Experten von der Alzheimer Gesellschaft und raten Angehörigen, Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel dann möglichst zu meiden. Es gibt auch Verständniskärtchen mit dem Hinweis auf die Demenzerkrankung, die der Begleiter vorzeigen kann.

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