Pharmazeutische Zeitung online
ABDA-IT-Experte im Interview

Wie geht es weiter mit dem Apothekenportal des DAV?

Im Dezember hat der Deutsche Apothekerverband (DAV) sein Apothekenportal gelauncht. Das Portal soll gewissermaßen als digitale Schnittstelle zwischen den Apotheken einerseits und ihren Kunden und Dienstleistern andererseits dienen. Im Gespräch mit der PZ erläutert Sören Friedrich, IT-Experte der ABDA, welche Funktionen bald zum Portal hinzukommen und wie es mit dem DAV-Kundenportal interagieren soll.
Benjamin Rohrer
20.01.2021  18:00 Uhr

PZ: Herr Friedrich, der DAV hat im am 15. Dezember letzten Jahres das Apothekenportal »mein-apothekenportal.de« gestartet. Die PZ hatte bereits ausführlich über die Pläne der Verbände dazu berichtet. Die Landesapothekerverbände rufen derzeit ihre Mitglieder dazu auf, sich als Apothekeninhaber zu registrieren. Wie kommt die Aktion bei den Apothekern an?

Friedrich: Wir sind sehr zufrieden. Bislang haben sich seit den Weihnachtsfeiertagen trotz hoher Arbeitsbelastung deutschlandweit immerhin schon rund 30 Prozent aller Apothekeninhaber registriert und sowohl ihre Apotheke als auch dazugehörige Filialen eingetragen.

PZ: Gestartet sind Sie mit einer Basisversion des Apothekenportals. Auf dem Dashboard stehen unter anderem Nachrichten vom DAV und die AMK-Meldungen. Wann kommt denn was dazu?

Friedrich: Uns stand lediglich eine Entwicklungszeit von knapp drei Monaten zur Verfügung, seit klar war, wohin sich die Gesetzgebung und die Arbeit der Gematik entwickeln würden. Das ist nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, welche Entwicklungskapazitäten wir mobilisieren mussten. Neben dem von Ihnen genannten News-Bereich haben wir außerdem einen Blog implementiert, in dem digitale und pharmazeutische Inhalte gepostet werden. Einen erweiterten Mehrwert bietet das Portal aber auch schon heute für die Apothekeninhaber, die am E-Rezept-Projekt in Berlin und Brandenburg oder an den Impfprojekten einzelner Landesapothekerverbände teilnehmen. Beim ersteren geht es um die digitale Präsenz in der Patienten-App »Rezept-Manager«, bei den letzteren vor allem um eine Dokumentations- und Evaluierungssoftware.

Individueller digitaler Fußabdruck für Apotheken

PZ: Was ist mit Apotheken, die an beiden Projekten nicht teilnehmen? Wann ergibt sich für sie der erste wirkliche Mehrwert am Apothekenportal?

Friedrich: Schon sehr bald. Denn wir arbeiten sehr eng mit der Gematik zusammen, die ja bis zum 30. Juni dieses Jahres die E-Rezept-App bauen muss, über die künftig E-Rezepte abgewickelt werden sollen. Die Gematik-App stellt eine Liste aller Apotheken bereit, die allerdings nur Basisinformationen wie Name oder Anschrift enthält. Über die in unserem Portal erhobenen Informationen können Mehrwertinformationen wie Sprachen oder Umfeld- und Botendienstinformationen an den Verzeichnisdienst der Gematik übergeben werden. Das verschafft jeder einzelnen Apotheke einen ganz besonderen individuellen digitalen Fußabdruck. Wir arbeiten derzeit aber auch noch an weiteren Modulen, die für alle Apotheker von Nutzen sind.

PZ: Welche wären das?

Friedrich: Wir planen als erste Erweiterung der Basisfunktionalitäten eine Kommunikationsplattform (oder Chat), die einen bilateralen Austausch zwischen Apotheke und Patienten ermöglicht. Auf dieser Basis werden dann zum Beispiel Verfügbarkeitsanfragen zu elektronischen Rezepten, eine Unterstützung des Botendienstangebots oder auch Hilfestellungen für das Medikationsmanagement ermöglicht. Über das Apothekenportal als »Verbändeportal« haben die Landesapothekerverbände die Möglichkeit, ihren Mitgliedern erweiterte Angebote zu unterbreiten. Dabei werden verbandsindividualisierte Informationen über ein Dashboard zur Verfügung gestellt. Dass könnten beispielsweise vertragliche oder gesetzliche Neuregelungen oder Retax-Hinweise sein. Auch mit Blick auf die pharmazeutischen Dienstleistungen ist es denkbar, dass die Verbände die Apotheken über die Kassenverträge, die Durchführung selbst sowie die technische Basis informieren. Meiner Auffassung nach haben wir mit der Etablierung dieser Plattformen für Apotheken und Verbände sowie einer weiteren Plattform für Kunden und Patienten den Grundstein für ein umfassendes digitales Angebot aller Apotheken für ihre Kunden gelegt. Zudem können künftige Herausforderungen von den Apotheken unabhängig von Dritten effizient gemeistert werden.

PZ: Sie haben ein zweites, neues Portal für die Kundenseite angedeutet. Müssen Sie hier nicht zusätzlich neue Lösungen entwickeln?

Friedrich: Wir müssen nicht, wir wollen. Das Portal existiert in seiner ersten Ausbaustufe ja bereits als »Rezept-Manager« im Berliner und Brandenburger E-Rezept-Projekt und ist somit durchaus auch schon in der Praxis erfolgreich erprobt und verwendet. Wir wollen das Angebot ebenso kontinuierlich erweitern. Die Kommunikationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel einen Chat zwischen Kunden und Apothekern, haben wir ja bereits erwähnt.

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