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Immunologische Grundlagen
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Wie der Körper ­Infekte abwehrt

Jeder Mensch ist ständig von Viren und Bakterien umgeben, ohne immer wieder krank zu werden. Wie wird das Immunsystem mit den unterschiedlichen Pathogenen fertig, und wie kann es sein, dass der eine jeden Schnupfen mitnimmt, während andere die Wintermonate ohne jegliche Erkältung überstehen?
AutorKontaktIlse Zündorf
AutorKontaktRobert Fürst
Datum 26.01.2020  08:00 Uhr

Das angeborene Immunsystem

Egal welcher Eindringling die erste ­Barriere der Schleimhaut oder Haut überwunden hat: Zunächst kommt der angeborene und relativ unspezifische Teil des Immunsystems zum Einsatz. Bei den löslichen Faktoren, die im Blut zirkulieren, sind das vor allem die ­Proteine des Komplementsystems. Als ­zelluläre Komponenten sind Ma­krophagen, dendritische Zellen, Granulozyten und Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) im Einsatz.

Über sogenannte Mustererkennungsrezeptoren (pattern recognition receptor, PRR), die sich sowohl auf der Oberfläche der Immunzellen als auch im Inneren befinden, werden wiederkehrende Strukturen auf Pathogenen, die sogenannten Pathogen-assoziierten molekularen Muster (pathogen ­associated molecular pattern, PAMP), erkannt und gebunden. Zu den PAMP gehören beispielsweise Lipopolysaccharide gramnegativer Bakterien, bakterielles Flagellin, Lipoteichonsäure gram­positiver Bakterien und Lipoproteine, aber auch einzel- und doppelsträngige RNA oder CpG-DNA-Bereiche von Viren oder Bakterien (Tabelle 3).

Rezeptor Lokalisation Ligand Pathogen
Toll-like Rezeptor 1 Plasmamembran Triacyl-Lipoprotein Bakterien
Toll-like Rezeptor 2 Plasmamembran Lipoprotein Bakterien, Viren
Toll-like Rezeptor 3 Endolysosom dsRNA Viren
Toll-like Rezeptor 4 Plasmamembran Lipopolysaccharid Bakterien
Toll-like Rezeptor 5 Plasmamembran Flagellin Bakterien
RIG-I-like Rezeptor Zytoplasma kurze dsRNA RNA-Viren
NOD-like Rezeptor 1 Zytoplasma γ-D-Glu-mDAP Bakterien
C-Typ Lectin-Rezeptor Dectin-1 Plasmamembran β-Glucan Pilze
Tabelle 3: Beispiele für Mustererkennungsrezeptoren und Pathogen-assoziierte molekulare Muster

Somit erkennt das angeborene Immunsystem zwar, dass beispielsweise ein Virus im Körper ist, kann aber nicht unterscheiden zwischen Influenza-, Hepatitis- oder Polyomavirus. Und wenn das gleiche Virus den Körper nach einigen Monaten erneut attackiert, läuft die Reaktion wieder genau gleich ab.

Hat ein Eindringling über sein PAMP an den PRR, zum Beispiel eines Makrophagen oder eines neutrophilen Gra­nulozyten, gebunden, kann er phagozytotisch aufgenommen und zerstört werden (Abbildung 1). In der Folge ­signalisiert die Immunzelle dem Körper über Chemokine und Entzündungs­mediatoren die Alarmsituation und lockt weitere Zellen an, um mögliche weitere Eindringlinge zu bekämpfen.

Eine weitere Sofortreaktion des angeborenen Immunsystems auf den Eindringling ist die Aktivierung des Komplementsystems, eine Enzymkaskade aus mehr als 30 unterschiedlichen Proteinen. Nach der ersten Interaktion mit dem Pathogen werden sukzessive die verschiedenen Komplementfaktoren aktiviert mit dem Ergebnis, dass es über einen Membranangriffskomplex zur Lyse des Pathogens kommt. Durch bestimmte Spaltprodukte einzelner Komplementfaktoren, die als Chemo­kine wirken, wird die Entzündungsreak­tion verstärkt. Einige Faktoren vermitteln auch die Phagozytose des Eindringlings.

Im Rahmen der Phagozytose nehmen Makrophagen Teile des zerstörten Pathogens auf und präsentieren kurze Peptide über MHC-(Major Histocompatibility Complex-)Typ-II-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche.

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