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Immunologische Grundlagen
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Wie der Körper ­Infekte abwehrt

Jeder Mensch ist ständig von Viren und Bakterien umgeben, ohne immer wieder krank zu werden. Wie wird das Immunsystem mit den unterschiedlichen Pathogenen fertig, und wie kann es sein, dass der eine jeden Schnupfen mitnimmt, während andere die Wintermonate ohne jegliche Erkältung überstehen?
AutorKontaktIlse Zündorf
AutorKontaktRobert Fürst
Datum 26.01.2020  08:00 Uhr

Infektion und Abwehrstrategien

Welcher Wirt wird infiziert? Üblicherweise ist dies einfach Zufall. Verzehrt der Mensch beispielsweise rohe Waldbeeren, die Eier des Fuchsbandwurms tragen, können die Larven im Darm schlüpfen und Leber, Lunge oder andere Organe besiedeln. Allerdings ist der Mensch ein Endwirt; die Bandwürmer können nicht weitergegeben werden. Auch der Stich einer Mücke, die mit Plasmodien oder Viren besiedelt ist, ist nicht sehr gezielt gegen einen bestimmten Wirt gerichtet. Allerdings kennt jeder den Effekt, dass in einer Gruppe manche Menschen bevorzugt attackiert werden, was offensichtlich beispielsweise durch eine erhöhte Cholesterol-Konzentration im Blut oder durch über die Haut ausgeschiedene Säuren wie Harnsäure oder Milchsäure hervorgerufen wird.

Ebenso zufällig nehmen wir tagtäglich irgendwelche Bakterien oder Viren auf, die im Kaufhaus, in der U-Bahn oder am Arbeitsplatz über Aerosole oder Oberflächen verbreitet werden und die auf der Haut oder Schleimhaut landen. Meist ist das bereits eine annähernd unüberwindliche Barriere. Trotzdem kommt es immer wieder zum Eindringen der Fremdlinge in den Körper des Wirts. Besonders Viren »suchen« sich anschließend über bestimmte Oberflächenmoleküle spezifisch ganz bestimmte Wirtszellen aus, in denen sie sich vermehren lassen können. Bakterien und eukaryontische Pathogene sind meist weniger wählerisch und ­versuchen, sich in einem geeigneten Milieu anzusiedeln und der Immun­abwehr zu entkommen.

Im Prinzip ist das Immunsystem mit seiner Gesamtheit an zellulären und ­humoralen (löslichen) Komponenten darauf trainiert, auf der einen Seite ­gesunde körpereigene Strukturen zu ­erkennen und zu tolerieren, auf der ­anderen Seite aber kranke körpereigene Zellen und Fremdkörper von außen zu detektieren und zu eliminieren. Dass das manchmal nicht hundertprozentig funktioniert, kann man zum einen an Autoimmun- und zum anderen an ­Tumorerkrankungen beobachten. In sehr vielen Fällen gelingt die gezielte ­Abwehr jedoch sehr gut – oft genug, ohne dass wir etwas davon bemerken. Was passiert genau, wenn ein Pathogen erstmals unseren Körper infiziert?

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