Bei Schlafapnoe hält eine CPAP-Maske die Atemwege per Druckluft frei. Wer mit der Maske nicht zurecht kommt, kann es mit einer Unterkiefer-Protrusionsschiene versuchen. / © Getty Images/no_limit_pictures
Schnarchen ist nervig – vor allem für den Menschen, mit dem man das Bett teilt. Aus medizinischer Sicht ist es aber in vielen Fällen harmlos. Anders sieht es aber aus, wenn sich nächtliche Atemaussetzer dazugesellen. Dann lautet die Diagnose: Schlafapnoe; vom altgriechischen ápnoia, Nicht-Atmung. Ein Schlafmediziner und eine Schlafmedizinerin verraten, wie man dieser Erkrankung auf die Spur kommt – und wie man die Atemaussetzer unterbinden kann.
Schlafapnoe ist eine Erkrankung der oberen Atemwege. Dr. Dora Triché, Leiterin des Schlaflabors am Klinikum Nürnberg erklärt: »Die oberen Atemwege kollabieren dabei im Schlaf, werden enger und lassen so die Luft einfach nicht mehr durch.« Das Phänomen tritt häufig im Alter auf, wenn das Bindegewebe der Atemwege schlaffer wird.
»Wenn wir schlafen, kommt es zusätzlich zu einer Entspannung der Muskulatur. Dann droht dem Muskelschlauch zwischen Zäpfchen und Kehlkopf die Puste auszugehen«, sagt Professor Dr. Christoph Schöbel. Er leitet das Schlafmedizinische Zentrum am Universitätsklinikum Essen. »Kommt es zum Atemaussetzer, setzt der Körper einen Weckreiz.« Dann öffnen sich die Atemwege mit einem kurzen Schnarcher wieder.
Am nächsten Tag ist die Erinnerung an den kurzen Wachmoment meist wieder verschwunden. »Durch das Wachwerden steigt jedoch der Blutdruck und Stresshormone werden ausgeschüttet«, sagt Triché, die auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin ist.
Nicht nur sind Patienten am nächsten Tag häufig sehr müde. »Auch Spätfolgen in Form von kardiovaskulären Erkrankungen sind möglich.« Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung erhöht eine unbehandelte Schlafapnoe das Risiko für Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfälle.
Viele Ursachen wie Alter oder Genetik sind nicht veränderbar. »Theoretisch kann es jeden treffen«, sagt Triché. Bis zu den Wechseljahren seien Frauen aber deutlich seltener betroffen als Männer.
Die Schlafapnoe ist eine chronische Erkrankung und tritt anfänglich häufig in bestimmten Situationen auf: beim Schlaf in Rückenlage und besonders in der Phase des REM-, also des Traumschlafs. Im weiteren Verlauf tritt sie dann aber auch in anderen Körperlagen oder Schlafstadien auf.
Laut Schlafmedizinerin Triché ist die Wahrscheinlichkeit außerdem bei denjenigen erhöht, die Bluthochdruck oder Vorhofflimmern haben, mit Typ-2-Diabetes oder Depressionen leben. Der einzige Risikofaktor neben abendlichem Alkoholkonsum, an dem man gut arbeiten kann, ist Übergewicht. »Je dicker der Halsumfang, umso mehr Last liegt auf den Atemwegen«, nennt Schöbel den Grund.