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Vitamin D
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Wer sollte substituieren – und wie viel?

In Mitteleuropa sind die Vitamin-D-Spiegel vieler Menschen zumindest während der dunklen Jahreszeit am unteren Limit. Für die »Alltags-Substitution ohne klare Indikation« ist die täglich niedrig dosierte Vitamin-D-Einnahme der Bolusgabe im Abstand von mehreren Tagen vorzuziehen.
AutorKontaktElke Wolf
AutorKontaktKatja Egermeier
Datum 27.10.2026  15:00 Uhr

Es gibt mehrere Risikogruppen, denen die Einnahme eindeutig zu empfehlen ist. Laut Privatdozent Dr. Stephan Scharla reiche bei ihnen »eine gesunde Lebensweise hier einfach nicht aus«. Bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) nannte er folgende Personengruppen, denen eine Substitution zu Gute käme:

  • Säuglinge zur Rachitisprophylaxe
  • Schwangere
  • ältere Menschen, da deren Haut Vitamin D nicht mehr so gut bilden kann
  • Menschen, die sich selten im Freien aufhalten – darunter auch Kinder und Jugendliche
  • Menschen mit dunkler Hautpigmentierung, die in unseren Breitengraden leben
  • Nachtschichtarbeiter
  • Menschen, die aus kulturellen oder religiösen Gründen verhüllende Kleidung tragen
  • Menschen mit Fettaufnahmeproblemen sowie Adipöse und solche, die sich einer Magen-Bypass-Operation unterzogen haben
  • Menschen mit chronischen Magen-Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Menschen, die Medikamente einnehmen, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinträchtigen, wie Antiepileptika, Glucocorticoide oder Zytostatika

Gesunde Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren benötigen aus Sicht des Endokrinologen aus Bad Reichenhall dagegen keine zusätzliche Vitamin-D-Gabe. Im Normalfall baue ein gesunder Mensch im Sommer einen ausreichenden Speicher auf, von dem er im Winter zehrt. Die niedrigsten Vitamin-D-Spiegel werden typischerweise im Februar oder März erreicht – denn dann ist das Depot aufgebraucht. »Es ist zudem gar nicht sicher, ob niedrige Vitamin-D-Spiegel im Winter überhaupt eine krankhafte Bedeutung haben«, erklärte Scharla. Untersuchungen zeigten, dass gesunde Erwachsene im Sommer rund 1 Prozent Knochenmineral aufbauen und im Winter wieder 1 Prozent verlieren.

Wer jedoch Zweifel hat, könne im Winter bedenkenlos ein Supplement in der empfohlenen Dosierung von etwa 25 µg (1000 I. E.) täglich einnehmen. »Das schadet nicht, kostet nicht viel, und man kann sich sicherlich etwas Gutes tun«, so Scharla. Nach seinen Aussagen ist die tägliche Einnahme niedriger dosierter Präparate besser geeignet als eine gelegentliche, hoch dosierte Bolusapplikation. Empfehlenswert seien Dosierungen zwischen 800 I. E. und maximal 3000 I. E. einmal täglich. In der Praxis würden meist 1000 I. E. pro Tag gegeben.

Scharla bekannte sich zu Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke – »Weil eine Qualität hinsichtlich der Inhaltsstoffe, der Konzentrationen und der angegebenen Einheiten gegeben ist.«

Besser täglich wenig

Vor zu hohen Dosierungen warnte auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) im vergangenen Jahr in einer Stellungnahme. Werden Bolusdosen von beispielsweise 500 µg Vitamin D (20.000 I.E.) eingenommen, bei denen die Anwendung alle 20 Tage erfolgen sollte, könnten laut BfR »im Blut Vitamin-D-Konzentrationen erreicht werden, die Studien zufolge gesundheitliche Risiken mit sich bringen, insbesondere bei Personen, die bereits sehr gut mit Vitamin D versorgt sind«. Diese Risiken sind etwa eine erhöhte Neigung zu Stürzen und Knochenbrüchen. Die Datenlage ist hier zwar nicht einheitlich – in manchen Studien wurden diese Risiken nicht gesehen –, aber bislang konnte auch kein eindeutiger Nutzen durch solche hohen Dosierungen belegt werden.

Als problematisch wertet das BfR auch die Gefahr, dass Vitamin-D-Präparate, die zur Anwendung alle 20, 10 oder 7 Tage bestimmt sind, versehentlich häufiger eingenommen werden, was massive Überdosierungen nach sich ziehen könnte. Menschen, die Vitamin D supplementieren möchten, sollten daher besser ein geringer dosiertes Präparat täglich anwenden. Als Höchstdosis empfiehlt das BfR 20 µg Vitamin D (800 I.E.) pro Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) äußert sich ähnlich zurückhaltend und sieht die Supplementation nur für Risikogruppen vor.

Das BfR betont in seiner Mitteilung, dass sich diese ausschließlich auf Nahrungsergänzungsmittel beziehe, nicht auf Arzneimittel mit Vitamin D. Solche Arzneimittel können in unterschiedlichen Dosierungen und Anwendungsschemata bei verschiedenen Erkrankungen ärztlich verordnet werden.

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beträgt der UL (tolerable upper intake level) für Vitamin D 4000 I. E. pro Tag. Bis zu diesem Wert gilt die Aufnahme für Erwachsene und Kinder ab elf Jahren nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand als nicht bedenklich. Allerdings ist laut BfR zu beachten: Der UL-Wert bezieht alle Vitamin-D-Quellen mit ein, also auch Sonnenlicht oder die Zufuhr über angereicherte Lebensmittel. Supplementiere man also mit entsprechend hoch dosierten Vitamin-D-Präparaten, sei der Wert schnell erreicht, warnt das BfR. Die tägliche Aufnahmemenge von 800 I. E. reiche auch ohne Sonnenlicht aus, um den Bedarf bei der großen Mehrheit der Bevölkerung zu decken.

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