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Hirnalterung
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Wenn das Gehirn seine Immunabwehr umbaut

Das alternde Gehirn schrumpft nicht bloß, es baut seine Immunabwehr um. Das zeigen zwei aktuelle Arbeiten. Und genau dieser Umbau um die Lebensmitte herum könnte sich als therapeutischer Angriffspunkt erweisen.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 14.08.2026  15:30 Uhr

Die stille Invasion: von Micro1 zu Micro2

Der zentrale Befund der Arbeit betrifft die Mikroglia. So konnten die Forschenden zeigen, dass die embryonalen, im Hippocampus ansässigen Immunzellen (Micro1) im Verlauf des Alterns durch eine Population ersetzt werden, die zirkulierenden Blutmonozyten gleicht (Micro2).

Hier erweist sich das umfassende Methodenkonzept der Autoren als entscheidend. Denn basierend auf Messungen der Genexpression allein ist dieser Wechsel nicht sichtbar, weil die eingewanderten Zellen nach ihrer Ankunft das Transkriptionsprofil von Mikroglia annehmen. Der US-amerikanische Kardiologe Prof. Dr. Eric Topol, der der Arbeit eine eigene Besprechung widmet, spricht treffend von einer »transkriptomischen Illusion«.

Erst die DNA-Methylierung, die die zelluläre Herkunft wie ein Fingerabdruck bewahrt, entlarvt die Blutmonozyten-Signatur. Ein altersabhängiger klonaler Expansionsprozess ließ sich als Erklärung ausschließen; es handelt sich um echten Zustrom von außen.

Diese neuen Zellen sind nicht neutral. Micro2 zeigt ein ausgeprägt proinflammatorisches Profil mit Anreicherung von Typ-II-Interferon-Antwortgenen. So wird etwa Interleukin-15 mit dem Alter hochreguliert. Die 3D-Analyse des Chromatins zeigt die Ursache hierfür: Durch die Umfaltung des Genoms geraten der IL15-Promotor und ein weiter stromaufwärts gelegenes regulatorisches Element altersabhängig in direkten Kontakt, was die Zytokinfreisetzung antreibt.

Energiekrise der Astrozyten und Erosion der Genomarchitektur

Ermöglicht wird die Invasion durch Blutzellen überhaupt erst, weil die Bluthirnschranke durchlässig wird. Parallel dazu gehen Astrozyten, die für Schrankenfunktion und Synapsenversorgung zuständigen Gliazellen, verloren. Die Astrozyten sterben nicht abrupt, sondern in einem langsamen, stetigen Prozess von 0,2 Prozent pro Jahr ab dem 20. Lebensjahr. Dieser Prozess lässt sich über die Methylierung nachverfolgen. Auf molekularer Ebene dominieren eine verminderte Expression mitochondrialer Energiegene und Stresssignaturen.

Als Antwort auf den dadurch verursachten Energiemangel aktivieren die Zellen die lysosomale Mikroautophagie, die bis zum autophagieabhängigen Zelltod führen kann. Insgesamt beobachteten die Forschenden, dass die räumliche Genomorganisation im Zellkern mit dem Alter verloren geht. Diese Erosion der Genomtopologie könnte ein gemeinsamer Nenner sein, der die transkriptionellen und zellulären Veränderungen des alternden Gehirns verbindet.

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