| Johanna Hauser |
| 28.08.2026 18:00 Uhr |
Sinkt die Thrombozytenzahl unter 150.000 pro µl Blut, spricht man von einer Thrombozytopenie. Dadurch steigt das Blutungsrisiko, da die primäre Hämostase beeinträchtigt ist. Klinisch zeigen sich Hämatome, Nasen- oder Zahnfleischbluten sowie Petechien.
Medikamente können eine Thrombozytopenie durch Hemmung der Bildung im Knochenmark oder immunologisch vermittelte Mechanismen auslösen. Zu den möglichen Verursachern zählen etwa Carbamazepin, Clozapin, Haloperidol, Fluoxetin, Heparin und Chinin.
Paradoxerweise kann eine Thrombozytopenie mit Thrombosen einhergehen, wenn Thrombozyten stark aktiviert und dabei verbraucht werden. Das wichtigste Beispiel ist die Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT). Dabei bilden sich Antikörper gegen Komplexe aus Heparin und Plättchenfaktor 4 (PF4). Diese aktivieren Thrombozyten und verursachen so gleichzeitig Thrombosen und einen Abfall der Thrombozytenzahl.
Eine HIT tritt unter unfraktioniertem Heparin häufiger auf als unter niedermolekularem Heparin (bis zu 3 Prozent versus 0,2 Prozent) und erfordert das sofortige Absetzen sowie die Einleitung einer alternativen Antikoagulation. Die Thrombozytenzahl sinkt bei einer HIT innerhalb von ein bis drei Tagen auf Werte von 50.000 bis 80.000 pro µl.
Eine Anämie liegt vor, wenn die Zahl der Erythrozyten, die Hämoglobinkonzentration oder der Hämatokrit vermindert sind und dadurch die Sauerstoffversorgung des Körpers eingeschränkt wird. Für die Einordnung sind die Eigenschaften der Erythrozyten, insbesondere Größe, Hämoglobingehalt und Retikulozytenzahl, entscheidend. Typische Symptome sind Müdigkeit, Schwäche, Blässe und Belastungsdyspnoe.
Medikamentös bedingte Anämien können durch eine Hemmung der Erythrozytenbildung, deren vermehrten Abbau oder durch Blutungen entstehen. Wichtige Auslöser sind Zytostatika, Azathioprin, Zidovudin und Linezolid, die die Blutbildung beeinträchtigen können. Hämolytische Anämien (»Blutarmut«) werden durch einen zu schnellen Abbau von Erythrozyten ausgelöst. Verursacher sind unter anderem durch Sulfonamide, Dapson und Nitrofurantoin (insbesondere bei G6PD-Mangel) sowie Penicilline, Cephalosporine und Methyldopa.