| Daniela Hüttemann |
| 19.08.2026 07:00 Uhr |
Haloperidol wirkt sofort sedierend, während der antipsychotische Effekt erst nach ein bis drei Wochen einsetzt. / © Getty Images/Yana Iskayeva
Wie wirkt Haloperidol?
Haloperidol ist ein hochpotentes Antipsychotikum. Es hat einen etwa 50-mal stärkeren antipsychotischen Effekt im Vergleich zu Chlorpromazin, das als erstes in der Psychiatrie breit eingesetzt wurde und als Referenz gilt. Haloperidol blockiert Dopamin-Rezeptoren, vor allem den Subtyp 2. Akut wirkt es vor allem dämpfend und sedierend und erst nach ein bis drei Wochen antipsychotisch.
Was sind die Einsatzgebiete von Haloperidol?
Zugelassen ist es zur Behandlung einer Schizophrenie und von schizoaffektiven Störungen, zur Akutbehandlung eines Delirs, bei Patienten mit bipolaren Störungen während manischer Episoden oder akuten psychomotorischen Erregungszuständen, aber auch bei anhaltender Aggression und psychotischen Symptomen bei Demenzpatienten mit Risiko für Selbst- und Fremdgefährdung sowie bei schwerer persistierender Aggression bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus und tiefgreifenden Entwicklungsstörungen. Weitere Anwendungsgebiete sind Tics, Chorea Huntington sowie die Prophylaxe und Behandlung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen.
Wie wird Haloperidol dosiert?
Die Dosierung hängt von der Erkrankung, der Arzneiform, dem Alter und der Leberfunktion ab, ist also insgesamt sehr individuell. Bei Erwachsenen mit Schizophrenie sind 2 bis 10 mg Haloperidol pro Tag als Einzeldosis oder aufgeteilt auf zwei Dosen die Standarddosierung (maximale Tagesdosis 20 mg, im hohen Lebensalter nur 5 mg). Eine schrittweise Dosisanpassung in Intervallen von ein bis sieben Tagen wird empfohlen, die Therapie sollte ein- und ausgeschlichen werden. Parenteral wird intramuskulär gespritzt. Es stehen auch Depotpräparate mit Haloperidoldecanoat zur Verfügung.
Welche Wechselwirkungen kann Haloperidol eingehen?
Bei Haloperidol-Gabe sollte ein gründlicher Interaktionscheck durchgeführt werden. Auf pharmakokinetischer Seite ist unter anderem mit Wechselwirkungen mit CYP2D6-Hemmern sowie CYP3A3-Inhibitoren und -Induktoren zu rechnen. Pharmakodynamisch sind vor allem Interaktionen mit zentral dämpfenden Arzneistoffen und Alkohol, QT-Zeit-verlängernden Wirkstoffen, dopaminergen und anticholinergen Arzneistoffen, anderen Antipsychotika, blutdrucksenkenden Arzneimitteln und Lithium relevant.
Wann darf Haloperidol nicht eingesetzt werden?
Die Liste der Kontraindikationen ist relativ lang: Überempfindlichkeit gegen Butyrophenone, komatöse Zustände, Depression des ZNS, Lewy-Körper-Demenz, Blickparese, bekannte Verlängerung des QT-Intervalls sowie in Kombination mit Arzneimitteln, die die QT-Zeit verlängern, Arrhythmien, kürzlicher akuter Myokardinfarkt, dekompensierte Herzinsuffizienz, Hypokaliämie und Morbus Parkinson. Vorsicht geboten ist unter anderem bei Epilepsie, Hyperthyreose, Elektrolytstörungen, venösen Thromboembolien und Leber- oder Nierenfunktionsstörungen.
Welche Nebenwirkungen kann Haloperidol haben?
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählen extrapyramidale Störungen inklusive Parkinson-ähnlicher Symptome, Sedierung und Müdigkeit sowie Hyperprolaktinämie, welche zu Gynäkomastie, Libidoverlust, Erektions-, Zyklus- und Fertilitätsstörungen führen kann.
Zu den klinisch relevantesten Nebenwirkungen zählen QT-Zeit-Verlängerung mit Herz-Rhythmus-Störungen, tardive Dyskinesien als eine der wichtigsten, oft irreversiblen Langzeitkomplikationen mit Schmatzbewegungen und Grimassieren, das seltene, aber lebensbedrohliche maligne neuroleptische Syndrom, schwere Akathisien (von Unruhe bis hin zu Suizidalität) sowie orthostatische Hypotonie und Stürze.
Was ist bei der Anwendung von Haloperidol in Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?
Laut Fachinfo Haloperidol-haltiger Präparate sollte der Wirkstoff während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden. Bei Embryotox, dem Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Berliner Charité, heißt es dagegen, Haloperidol könne bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch verordnet werden, wenn keine besser verträglichen Antipsychotika (atypische Neuroleptika) infrage kommen.
Vor Therapiebeginn sind ein Schwangerschaftstest und während der Behandlung Verhütungsmaßnahmen zu treffen. Schwangerschaft und Wochenbett sollten engmaschig gynäkologisch und psychiatrisch betreut werden.
Laut Fachinfo muss entschieden werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Haloperidol verzichtet werden soll. »Stillen bei eher niedrig dosierter Monotherapie (Dosierung unter 5 mg/d) und bei guter Beobachtung des Kindes ist unter Vorbehalt akzeptabel«, lautet dagegen die Einschätzung bei Embryotox.
Was gibt es sonst noch über Haloperidol zu wissen?
Haloperidol wurde 1958 von der Firma Janssen synthetisiert und 1959 unter dem Namen Haldol™ in Belgien erstmals zugelassen. Es steht seit 1977 auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Immer wieder wurde Haloperidol auch missbräuchlich in Pflege- und Kinderheimen, Krankenhäusern, Psychiatrien und im Strafvollzug eingesetzt, vor allem zur Ruhigstellung (»chemische Fixierung«). Heute unterliegt der Einsatz in Deutschland strengen rechtlichen und fachlichen Vorgaben, was einen missbräuchlichen Einsatz einschränken soll.
Strukturformel Haloperidol / © Wurglics