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Nephrologie

Wenn Arzneimittel an die Nieren gehen

Akutes Nierenversagen

Als akutes Nierenversagen (AKI: acute kidney injury) bezeichnet man eine bedeutende, aber reversible Verschlechterung der Nierenfunktion, die über Stunden oder Tage hinweg auftritt und sich klinisch als abrupter und anhaltender Anstieg von Serumkreatinin und Serumharnstoff äußert. Vor allem Serumharnstoff gilt bei Beachtung seiner Limitationen als früher Indikator für eine AKI.

Eine AKI kann in verschiedene Schweregrade eingeteilt werden (1–3). Je höher der Schweregrad, umso höher die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen oder Tod. Für die Beurteilung wird entweder die Serumkreatinin-Konzentration, die glomeruläre Filtrationsrate oder die Urinproduktion über einen definierten Zeitraum verwendet.

Bei der AKI stehen eine gestörte Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Säure-Base-Homöostase im Vordergrund. Dadurch kommt es zur Flüssigkeitsretention und zur Akkumulation von harnpflichtigen Substanzen und Toxinen. Insbesondere die Hyperkaliämie und die metabolische Azidose können zu Komplikationen führen. Die wichtigsten sind eine Chronifizierung (chronic kidney disease, CKD), endgradige Nierenfunktionsstörung und Multiorganversagen.

Abhängig von der Ursache der AKI können die folgenden Symptome vorliegen:

  • verringerte Urinproduktion,
  • Veränderungen des Urins in Aussehen und Geruch,
  • Schwellungen der Beine, Knöchel und um die Augenpartie (Ödeme),
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kurzatmigkeit,
  • Übelkeit, Erbrechen, abdominale Schmerzen,
  • Dehydratation und Durst,
  • Verwirrtheit, Schwindel, Krampfanfälle bis hin zum Koma,
  • Brustenge und Schmerzen.

Da eine AKI auch asymptomatisch verlaufen kann, sollten Patienten bei Verdacht auf AKI in jedem Fall an einen Arzt verwiesen werden. Im Unterschied zur chronischen Nierenerkrankung (CKD) zeigen die Patienten meist ein gesundes Hautbild ohne Hyperpigmentierung und Juckreiz und keine Auffälligkeiten in Bezug auf Hämoglobin oder Nierengröße.

Bei der Behandlung steht die Beseitigung der Ursachen und die Wiederherstellung der Flüssigkeits-, Elektrolyt- und pH-Homöostase im Vordergrund. Modifizierbare Risikofaktoren sollten reduziert und die Medikation angepasst werden. Das kann das Aussetzen, eine Dosisanpassung oder den Wechsel renal eliminierter Wirkstoffe bedeuten. Weiterhin sollte der Nutzen von Medikamenten mit Einfluss auf die Nierenfunktion kritisch hinterfragt werden, unter anderem von ACE-Hemmern (ACEi), Angiotensin-1-Rezeptor-Antagonisten (AT1-RA, Sartan), Diuretika, Aminoglykosiden und Röntgenkontrastmitteln.

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