Und dann geht es darum, wie man Verbesserungen erreicht: Bewegung, insbesondere Kraft- und Ausdauertraining, guter Schlaf, ausreichend Energie, Protein und Ballaststoffe in der Ernährung, wenig Alkohol und ein vernünftiger Umgang mit Stress können unglaublich viel für körperliche und psychische Gesundheit leisten, wie Konstantin Wagner sagt.
Problematisch aber sei, daraus die Botschaft zu machen: Wenn du nur gesund genug lebst, hast du keine Wechseljahresbeschwerden. »Eine Frau mit starken Hitzewallungen oder depressiven Beschwerden hat nicht versagt, weil sie nicht genug meditiert oder Brokkoli gegessen hat.«
Es gibt medizinische Hilfe: Je nach Situation können eine Hormontherapie, Psychotherapie, Medikamente oder eine Kombination sinnvoll sein – das sollte individuell medizinisch abgeklärt werden.
Dabei kann auch die Vorgeschichte wichtig sein. »Frauen mit früheren depressiven Episoden haben grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für weitere Episoden. Besonders aufmerksam würde ich auch bei Frauen werden, die bereits in anderen hormonellen Umbruchphasen psychisch stark reagiert haben, beispielsweise prämenstruell oder nach einer Geburt.« Dann brauche es womöglich auch die Zusammenarbeit zwischen Gynäkologie, Hausarztmedizin, Endokrinologie und Psychiatrie oder Psychotherapie.
Auch »wenn Beschwerden bleiben oder sich verschlimmern, würde ich Frauen ermutigen, erneut das Gespräch zu suchen oder sich eine zweite Meinung zu holen«, sagt Konstantin Wagner.
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Frage gar nicht: Sind es die Hormone oder ist es die Psyche? Sondern: Was hat sich verändert, was belastet mich – und was brauche ich jetzt? Denn Wechseljahre sind keine Diagnose für alles. Aber sie sind ein guter Anlass, Veränderungen ernst zu nehmen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen.