Körper und Psyche hängen eng zusammen. Das Erkennen von Veränderungen und Mustern hilft, Klarheit zu erlangen. / © Getty Images/jpfotograaf
Gestern noch völlig okay, heute erschöpft, gereizt oder niedergeschlagen: Ist das jetzt Stress, sind es die Wechseljahre – oder steckt vielleicht eine Depression dahinter? Wer in der Perimenopause psychische Veränderungen an sich bemerkt, kann schnell ins Grübeln geraten. Dabei muss man nicht jedes Gefühl sofort einem Hormon zuordnen.
Denn Körper und Psyche lassen sich gar nicht so trennen. Östrogen und Progesteron wirken auch im Gehirn, hormonelle Veränderungen können deshalb Stimmung und psychisches Wohlbefinden beeinflussen, sagt Dr. Konstantin Wagner, Gynäkologe aus Kassel und Autor.
Gleichzeitig warnt er davor, psychische Beschwerden vorschnell mit »Das sind die Hormone« abzutun. Umgekehrt sollten hormonelle Veränderungen aber auch nicht ignoriert werden.
Wichtiger als ein einzelner schlechter Tag sind Veränderungen und Muster.
Eine Depression zeigt sich dagegen häufig durch anhaltend depressive Stimmung, Interessenverlust, Antriebsminderung oder Hoffnungslosigkeit. Und: Beides kann gleichzeitig auftreten.
Gerade beim Schlaf wird klar, wie eng die Dinge zusammenhängen können. Nächtliche Hitzewallungen stören den Schlaf, tagsüber ist man erschöpft und dünnhäutig – und monatelanger schlechter Schlaf kann wiederum die Psyche belasten. Statt sich nur zu fragen: »Was war zuerst?«, empfiehlt Wagner deshalb eine andere Frage: »Was hält das Problem gerade aufrecht?« Dann können etwa Wechseljahresbeschwerden und eine Depression auch parallel behandelt werden.
Um Zusammenhänge zu erkennen, kann ein kleines Symptom- oder Zyklus-Tagebuch helfen. Über einige Wochen lässt sich etwa notieren: Wie schlafe ich? Wie ist meine Stimmung? Wo stehe ich im Zyklus? Habe ich Hitzewallungen oder andere neue Beschwerden?
»Ich würde auf Veränderungen und Muster achten, nicht auf jeden einzelnen schlechten Tag. Niemand muss morgens aufwachen und erst einmal zehn Körperparameter analysieren«, so Wagner. »Danach sollte man aber auch wieder leben dürfen.« Das Ziel ist: »Gesundheitskompetenz und nicht Gesundheitskontrolle.«