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Was wollen die Parteien für Apotheken?

In Mecklenburg-Vorpommern schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum. Was wollen Sie dagegen tun?

Wir wollen ein flächendeckendes zukunftsfestes Netz von Vor-Ort-Apotheken durch attraktivere Arbeitsbedingungen erreichen. Das beinhaltet familiengerechte Bedingungen, Teamarbeit, faire Bezahlung, Eindämmung überbordender Dokumentationspflichten und auch alternative Möglichkeiten zur Anstellung von jungen Apothekerinnen und Apothekern. Gerade im ländlichen Raum muss das Problem der steigenden Mehrfachbelastung durch Not- und Bereitschaftsdienste gelöst werden. Wir schlagen vor, den Nacht- und Notdienstfonds um einen Fonds zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung in unterversorgten Regionen zu ergänzen.

Wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Aus unserer Sicht ist es mit Blick auf die Versorgung ländlicher und strukturschwacher Räume an der Zeit, die Möglichkeiten zum Aufbau von Zweigapotheken zu erweitern und die Apothekenbetriebsordnung etwa bei mobilen Angeboten oder die Möglichkeit von Abgabetresen in Gesundheitszentren zu flexibilisieren. Der Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln ist seit etwa 20 Jahren eine, wenn auch kleine, aber doch sinnvolle Ergänzung der Arzneimittelversorgung. Inwieweit dadurch die künftige Versorgung von chronisch kranken, älteren und multimorbiden Patient:innen mit Arzneimitteln, insbesondere im ländlichen Raum, verbessert werden kann, bedarf entsprechender Aufmerksamkeit der  Gesundheitspolitik. Die Einbindung regionaler pharmazeutischer Expertise erscheint uns dabei beachtlich. Für den Wettbewerb zwischen stationären Apotheken und dem Versandhandel fordern wir gleiche Bedingungen.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um den Nachwuchs sicherzustellen und um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Wie bei anderen Gesundheitsberufen sind auch bei den Apothekerinnen und Apothekern attraktive Arbeitsbedingungen notwendig, um einen Nachwuchsmangel zu vermeiden (siehe dazu Frage 1). Bezüglich des Nachwuchses an Pharmazeuten, besonders im ländlichen Raum in MV, sind gegebenenfalls Anreizstrukturen notwendig, wie sie auch für die Sicherstellung der ambulanten allgemeinmedizinischen Versorgung eingeführt wurden.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie, um diese auszubauen?

Demographischer Wandel und medizinischer Fortschritt stellen eine Herausforderung auch für die Apothekerinnen und Apotheker dar. Immer komplexer werdende Arzneimitteltherapien steigern die Anforderungen des Apothekers als Heilberuf. Damit wachsen die Anforderungen an die pharmazeutischen und kommunikativen Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker. Gerade im ländlichen Raum steigt die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen. Apothekerinnen und Apotheker müssen zum wichtigen Bestandteil einer aufeinander abgestimmten und sektoren- und professionenübergreifenden regionalen Versorgung werden. Wir halten es daher für wichtig, die Zusammenarbeit bereits im pharmazeutischen Studium stärker zu betonen.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Die Bedeutung von Apothekerinnen und Apothekern etwa für das Medikationsmanagement und die pharmazeutische Beratung der Patientinnen und Patienten zu Fragen der Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit oder der Therapietreue wird zunehmen. Hier muss es zu Kompetenzausweitungen kommen. Auch bei anderen ihnen als Heilberufler zugeordneten Aufgaben, wie z.B. bestimmten Impfungen, können Apothekerinnen und Apotheker mehr Kompetenzen übernehmen. Dies setzt voraus, dass auch die entsprechende Ausbildung weiterentwickelt wird. Auch wollen wir die übertragenen zusätzlichen Aufgaben leistungsgerecht vergüten. Unser Ziel ist es, die pharmazeutischen Leistungen der Apothekerschaft in eine eigene Gebührenordnung bzw. Honorierungssystem zu überführen. Außerdem wollen wir eine moderne und zukunftsgerichtete Ausbildung im Verbund mit einer zeitgemäßen Ausweitung der heilberuflichen Kompetenzen.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Die Corona-Pandemie hat erneut sehr deutlich gemacht, wie wichtig eine gute und bedarfsgerechte Arzneimittelversorgung und Hilfsmittelversorgung europäisch, national und durch Apotheken insbesondere auch vor Ort ist. Lieferengpässe müssen in Verantwortung z.B des BfArM früher detektiert und abgewendet werden können. Wir wollen daher eine Meldepflicht und ein Register bei allen Medikamenten-Engpässen und nicht nur für versorgungsrelevante Medikamente einführen. Es müssen überdies auf europäischer Ebene Anreize entwickelt werden, um vor allem Wirkstoff-Produktionen wieder vermehrt in der EU anzusiedeln. Dabei soll ein Schwerpunkt auf die für Pharmaunternehmen weniger lukrative Herstellung von Impfstoffen und Antibiotika, insbesondere wegen ihrer Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, gelegt werden.

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