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Landtagswahl M-V

Was wollen die Parteien für Apotheken?

In Mecklenburg-Vorpommern schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum. Was wollen Sie dagegen tun?

Für Mecklenburg-Vorpommern können wir feststellen, dass die Anzahl der Apotheken von 2010 bis 2018 mit minus 14 nur geringfügig gesunken ist, geringer als im Bundesdurchschnitt. Die Anzahl der approbierten Apothekerinnen und Apotheker in öffentlichen Apotheken ist sogar gestiegen, wie Sie der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage unserer Landtagsfraktion auf Drucksache 7/3986 vom 04.09.2019 entnehmen können.

Gleichwohl besteht mit der sinkenden Anzahl der Absolventinnen und Absolventen in den Pharmazie-Studiengängen und dem altersbedingten Ausscheiden von DDR-Pharmazie-Ingenieuren die Gefahr personeller Engpässe und einer sich deshalb verschlechternden Arzneimittelversorgung. Dem muss mit einer Steigerung der Studienplatzzahl und der Attraktivität des Berufes begegnet werden.

Wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung auf dem Land muss im Zusammenhang mit der Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung betrachtet und gedacht werden. Dazu gehören die Sicherstellung einer wohnortnahen haus- und fachärztlichen Versorgung ebenso wie der Erhalt der Krankenhausstandorte in Mecklenburg-Vorpommern. Wir wollen eine neuartig strukturierte Versorgungsregion definieren, in der alle Akteure zusammenwirken. Darin hätten die Apotheken nachhaltig und dauerhaft ihre Funktion. Versandapotheken sehen wir kritisch, da diese Leistungen und Arbeit der Vor-Ort-Apotheken nicht ersetzen können.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um den Nachwuchs sicherzustellen und um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Wir streiten seit Jahren unter anderem dafür, das Schulgeld für die nichtakademischen Gesundheitsberufe abzuschaffen. Das schließt die PTA-Ausbildung ein. Für eine Aufstiegsqualifizierung für PTA konnten wir die Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern in einem ersten Gespräch leider nicht gewinnen. Die Anzahl der Studienplätze in den Pharmazie-Studiengängen in Mecklenburg-Vorpommern sollte erhöht und der Weg in die Selbstständigkeit stärker gefördert werden. Sowohl die Ausbildung als auch die Studiengänge müssen weiterentwickelt werden.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie, um diese auszubauen?

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vernetzung sowie die weitere Digitalisierung sind insgesamt Erfordernisse in der medizinischen Versorgung. Das schließt die Apotheken ein. Dazu hat auch die Enquetekommission zur Zukunft der Medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern, die unter maßgeblicher Beteiligung unserer Landtagsfraktion zustande gekommen ist, zahlreiche Anregungen gegeben.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Apotheken haben immer wieder neue Aufgaben und Dienstleistungen in ihr Portfolio aufgenommen. Das wird auch weiterhin so sein. Mehr Präventionsangebote und pharmazeutische Dienstleistungen würden die Apotheken als niedrigschwellige Anlaufstellen attraktiver und den Beruf interessanter gestalten. Zu prüfen wäre ebenso, inwieweit Apotheken mittels telemedizinischer Anbindung zur primärärztlichen Versorgung genutzt und zu einer »Apotheke plus« weiterentwickelt werden können.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Schon vor der Corona-Pandemie kam es vermehrt zu monate- bis jahrelangen Liefer- und Versorgungsengpässen bei Medikamenten. Die Pandemie hat dann weitere Schwachstellen bei der Gesundheitsversorgung und Pandemiebekämpfung offengelegt. Diese reichen unter anderem von unzureichenden Pandemieplänen über fehlende Schutzausrüstung bis hin zu einem völlig unterbesetzten und technisch veralteten Öffentlichen Gesundheitsdienst. Dies ist umso ärgerlicher, weil die Bundesregierung ihre eigene Risikobewertung unter dem Titel »Pandemie durch Virus Modi-SARS« auf Drucksache 17/12051 vom Januar 2013 völlig ignoriert und keine Schlussfolgerungen aus ihrer Bewertung gezogen hat.

Für die Zukunft sind also unter anderem die Pandemiepläne regelmäßig zu aktualisieren, Staatsreserven zur Pandemiebekämpfung anzulegen und die Vorratslagerung in Krankenhäusern anzupassen. Darüber hinaus muss auch die Arzneimittelforschung und –produktion wieder stärker in Deutschland und der EU angesiedelt werden. Auch dazu hat unsere Landtagsfraktion am 27.11.2019 unter der Drucksachennummer eine parlamentarische Initiative in den Landtag Mecklenburg-Vorpommern eingebracht.

Eine grundsätzliche Lehre aus der Corona-Pandemie ist, dass wir die massiven Eingriffe in Fauna und Flora endlich beenden müssen.

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