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Was wollen die Parteien für Apotheken?

In Mecklenburg-Vorpommern schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken, insbesondere im ländlichen Raum. Was wollen Sie dagegen tun?

Insbesondere dem Druck von Online-Apotheken ist manche Vor-Ort-Apotheke kaum mehr gewachsen. Wir haben im Dialog mit der hiesigen Apothekerkammer stets deutlich gemacht, dass wir ein Amazonisierung im Bereich der Apotheken mit großer Sorge im Hinblick auf Datenschutzfragen, aber auch Beratungsleistungen betrachten. Wir werden uns weiter für eine Stärkung der Vor-Ort-Apotheken einsetzen.

Wie wollen Sie die Arzneimittelversorgung auf dem Land aufrechterhalten? Welche Konzepte oder alternativen Versorgungsmodelle zur Apotheke befürworten Sie? Wie bewerten Sie hierbei auch eine verstärkte Einbindung von Versandapotheken?

Die Apotheke vor Ort stellt die zuverlässige, seriöse Versorgung mit Medikamenten sicher, sie bietet Beratungsleistungen sowie Nacht- und Notdienste. Kein Versandhandel dieser Welt kann das leisten. Darüber hinaus waren viele Menschen hoch dankbar, dass Apotheken imstande sind, etwa bei Versorgungsengpässen in gewissem Rahmen auch Arzneimittel selbst herzustellen. Etwa bei der Produktion wirksamer Desinfektionsmittel. Das sollten wir nicht vergessen, wenn es um eine faire Beurteilung der Apotheke vor Ort geht. Ausländische Versandapotheken können ihre Preise frei bestimmen bzw. großzügige Rabatte gewähren und haben eine andere Kostenstruktur als die Apotheke vor Ort, weil sie sich z.B. nicht am Notdienst beteiligen müssen, zu dem inländische Apotheken aus gutem Grund gesetzlich verpflichtet sind.

Insoweit eine Versandapotheke die Angebote der Vor-Ort-Apotheken allerdings sinnvoll ergänzt, stehen wir einer verstärkten Einbindung entsprechender Angebote aufgeschlossen gegenüber. Uns ist es dabei ein besonders wichtiges Anliegen, dass unter entsprechender Einbindung der Versandapotheken die Beratungsleistungen nicht leiden.

Den Vor-Ort-Apotheken fehlt der Nachwuchs. Welche Ideen haben Sie, um den Nachwuchs sicherzustellen und um die Arbeit in der Offizin attraktiver zu machen?

Wir wollen pharmazeutischen Nachwuchs in Mecklenburg-Vorpommern halten. Sinnvoll ist dafür eine Ausdehnung der Medizinstipendien (also Stipendienleistungen durch das Land, gekoppelt an die Bedingung, später als Landarzt in Mecklenburg-Vorpommern zu praktizieren) auch auf andere Studiengänge wie Pharmazie. Auch wollen wir das Landarztgesetz auf weitere Studiengänge wie bspw. Pharmazie ausweiten.

Gerade in ländlichen Gegenden wird die Vernetzung der Heilberufler immer wichtiger. Welche Vorschläge haben Sie, um diese auszubauen?

Eine enge Zusammenarbeit der Heilberufe ist im Sinne des Patienten. Wir wollen die Kommunikation in diesem Bereich institutionalisieren.

Welche weiteren Aufgaben/Dienstleistungen sollten Apotheken in Zukunft übernehmen?

Apotheken sind häufig die erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem für Menschen mit gesundheitlichen Fragen. Insbesondere die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass auf die Apotheke vor Ort in einem Pandemie-Fall Verlass ist und dass mit zusätzlichen Aufgaben mit großer Verantwortung umgegangen wird. Apotheken sind motiviert, flexibel und in der Fläche vertreten. Daher bieten sich zusätzliche Aufgaben an. So hat die CDU sich frühzeitig dafür ausgesprochen, die Apotheke vor Ort in die Coronavirus-Impfungen einzubinden – die entsprechende rechtliche Grundlage dafür ist zu schaffen.

Was die Arzneimittelversorgung betrifft, welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Pandemie?

Die Idee, dass Mecklenburg-Vorpommern künftig mehr Gewicht bei der Arzneimittelherstellung erhalten und eigene Produktionskapazitäten aufbauen soll, ist ausgezeichnet. Die Landesregierung sollte hierzu in den zuständigen Ausschüssen regelmäßig berichten. Die Vision vom »Pharmastandort Mecklenburg-Vorpommern« könnte ein sehr erfolgversprechender Ansatz sein, der dazu beiträgt, die strukturelle wirtschaftliche Schwäche unseres Landes zu überwinden.

Mit Interesse haben wir in der Debatte um Impfstoff-Produktion zum Beginn dieses Jahres die Stimmen derjenigen zu Kenntnis genommen, die sich darüber beklagen, dass die Arzneimittelindustrie in Europa nicht schnell genug arbeitet bzw. viel mehr Steuergeld für das Anfahren der entsprechenden Produktionskapazitäten hätte erhalten sollen. Nach unserer Wahrnehmung sind das vielfach dieselben Leute, die über Jahre gegen die so genannte 'Pharmalobby' bzw. 'Pharmaindustrie' polemisiert haben und damit systematisch dazu beitrugen, die entsprechenden Hersteller aus Deutschland zu vertreiben.

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