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Nach der Corona-Infektion

Was wissen wir mittlerweile über Long Covid?

Bis zu 40 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen gaben in einer Studie der Uni Mainz Long-Covid-artige Symptome an, die über mindestens sechs Monate andauern. Betroffen sind nicht nur Personen mit schwereren Verläufen der akuten Infektion.
dpa
PZ
22.12.2021  13:30 Uhr

Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Fahrt aufnahm, stand naturgemäß die Behandlung der akut Erkrankten im Vordergrund. Erst im Verlauf der weiteren Monate wurde klar, dass eine Covid-19-Erkrankung nicht nur akut das Leben bedroht, sondern sehr lange die Gesundheit der Betroffenen beeinträchtigen kann. Selten ist das nicht: In den ersten Wochen nach der Erkrankung haben nach derzeitigen Expertenschätzungen etwa 10 Prozent der Covid-19-Patienten mit anhaltenden Beschwerden zu tun, die direkt auf die Krankheit zurückgehen. Wie steht es heute, kurz vor Ende des zweiten Corona-Jahres, um die Behandlung und Versorgung dieser Menschen?

«Der Wissenszuwachs in den vergangenen Monaten war enorm», sagt der Mediziner Privatdozent Dr. Dominik Buckert vom Universitätsklinikum Ulm. «Das Gesamtbild der Erkrankung ist heute nicht mehr so nebulös, wie es zu Beginn der Pandemie war.» Die Beschwerden lassen sich demnach grob in zwei Gruppen einteilen: Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen seien Schäden an Organen wie Herz oder Lunge nachweisbar. Deutlich mehr kämpften mit eher funktionellen Beeinträchtigungen wie einer geringeren Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen oder anhaltenden Riech- und Schmeckstörungen. Als Long Covid definieren die deutschen PatientenleitlinienBeschwerden, die länger als vier Wochen nach der Infektion bestehen, als Post Covid, wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen nach der Infektion den Alltag einschränken.

Während bei einigen Patienten die Beschwerden eher moderat sind, haut es andere zumindest vorübergehend völlig aus dem Leben. Immerhin: Die Heilungsaussichten sind bei vielen Menschen – zumindest auf lange Sicht – gut. «Wenn sich nachweislich ein Organ verändert hat, muss das nicht immer dramatisch sein», sagt Buckert. Entzündliche Veränderungen am Herzen etwa könnten zwar den Herzmuskel dauerhaft schädigen, heilten aber häufig vollständig aus. Und: «Es gibt für die Behandlung der Beschwerden etablierte Therapiekonzepte», sagt Buckert.

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