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Arzneimitteltherapie
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Was vor und während der Geburt möglich ist

Die meisten Schwangerschaften verlaufen relativ komplikationslos und Medikamente haben keine hohe Priorität. Doch welche Dauermedikation ist möglich? Und welche Medikamente sind rund um die Geburt nötig und vertretbar?
AutorKontaktSigrun Klausner
Datum 21.11.2024  09:00 Uhr

Wehenhemmung

Eine wehenhemmende Therapie (Tokolyse) wird bei drohender Frühgeburt eingesetzt – in erster Linie, um die Geburt zu verzögern, bis die Lungenreifung des Fetus durch Corticoide erreicht ist.

Betasympathomimetika führen durch Erregung des Sympathikus an den β2-Rezeptoren der Gebärmutter zur Erschlaffung der Uterusmuskulatur. Fenoterol ist der bekannteste Wirkstoff und wird – außer bei drohender Frühgeburt – auch zur Wehenhemmung während einer äußeren Wendung des Ungeborenen bei Beckenendlage parenteral (nicht inhalativ) eingesetzt.

Es können kardiale β1-mimetische Nebenwirkungen auftreten, meist in Form einer Tachykardie. Auch Unruhe, Blutdruckabfall, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen wurden beobachtet.

Oxytocin-Antagonisten wie Atosiban (intravenös) konkurrieren mit Oxytocin um die Rezeptorbindung. Dessen Wirkung wird somit aufgehoben und vorzeitige Wehen werden gehemmt. Die Wirkung ist gleich gut wie die der Betamimetika – bei geringeren kardiovaskulären Nebenwirkungen.

Bei moderater Wehentätigkeit wird off Label auch der Blutdrucksenker Nifedipin eingesetzt.

Zur Induktion der Lungenreifung dienen Betamethason oder Dexamethason. Die Therapie erhöht nachweislich die Überlebensrate der Frühgeborenen, vor allem durch Bildung von Surfactant und Reifung der Pneumozyten, aber auch durch Reduktion von Gehirnblutungen. Bei drohender Frühgeburt zwischen 24. und 34. SSW wird die Gabe von zweimal 12 mg Betamethason im Abstand von 24 Stunden oder viermal 6 mg Dexamethason alle zwölf Stunden empfohlen, jeweils intramuskulär.

Arzneimittel postpartal

Primäre Ansprechpartner nach der Geburt sind Hebammen und Gynäkologen. Geburtsbedingte Verletzungen werden normalerweise noch in der Klinik direkt behandelt, genauso wie Schmerzen nach einem Kaiserschnitt; eventuell ist die Gabe von Eisen oder Blutersatzprodukten nötig.

Sehr gut muss die psychische Gesundheit gewährleistet sein – nicht nur medikamentös, sondern vor allem durch eine Sensibilität aller Betreuenden, das Thema und mögliche Hilfen anzusprechen. Symptome wie plötzliche Kopfschmerzen und Bluthochdruck sind nach einer Geburt sehr ernst zu nehmen und rasch mit den Ärzten zu besprechen. Schmerzen in den Beinen oder beim Atmen können auf thromboembolische Ereignisse hindeuten; das Auftreten ist nicht nur in der Schwangerschaft, sondern auch im Wochenbett noch deutlich erhöht.

Verstopfung, Haarausfall, Schlafprobleme: Sind Mutter und Kind nach Hause zurückgekehrt, sind Apothekenteams oft die ersten Ansprechpartner bei Gesundheitsproblemen. Viele Frauen fragen auch nochmal nach der Verträglichkeit ihrer Dauermedikamente. Fundierte Beratung beruhigt die junge Familie.

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