Pharmazeutische Zeitung online
Verhütungsmittel

Was tun, wenn der Vaginalring bricht?

Etwa 2 Prozent der Frauen in Deutschland verhüten mit einem Vaginalring. In letzter Zeit häuften sich jedoch Berichte über brüchige Präparate. Wie die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) heute meldet, sind vor allem Generika betroffen. Was sollten Frauen tun, wenn sie einen Ringbruch bemerken?
Daniela Hüttemann
22.10.2019
Datenschutz bei der PZ

Mit dem NuvaRing von MSD kam im Februar 2003 erstmals ein Vaginalring zur hormonellen Verhütung auf den deutschen Markt. Mit Circlet folgte 2011 ein zweites Originalpräparat von MSD. Daneben sind die Generika GinoRing® von Exeltis, Cyclelle® von Hexal, Veri-Aristo® von Aristo Pharma und Setlona® von Mylan erhältlich.

Von der Erstzulassung bis Mitte 2019 seien der AMK 332 Meldungen zu Risiken bei Vaginalringen gemeldet worden. Erst gestern gab es wieder einen Chargenrückruf zum GinoRing. »Die Hälfte, 169 Fälle, steht im Zusammenhang mit einem Bruch des Rings«, meldet die AMK. »Davon entfallen 140 (83 Prozent) Berichte auf die seit 2017 in Deutschland zugelassenen Generika

Auch im Hinblick auf den relativ geringen Marktanteil von 30 Prozent sei dies ein unerwartet hohes Ringbruch-Risiko bei den generischen Vaginalringen. Denn nur jede fünfte Meldung über einen Ringbruch betraf eines der beiden Original-Präparate. »Bei den Generika beschreiben dagegen 73 Prozent aller Meldungen einen Ringbruch«, so die AMK. »Daher scheinen generische Vaginalringe ein 3,5-fach höheres Risiko für Ringbrüche aufzuweisen.«

Bekanntlich gab es aufgrund der Problematik bereits mehrere chargenbezogene Rückrufe verschiedener Generika. »Diesbezüglich kritisiert die AMK ausdrücklich die von einem Zulassungsinhaber akzeptierte Ringbruchrate von bis zu 1 Prozent«, heißt es in der Meldung.

Gleiche Hormone, anderes Trägermaterial

Alle Präparate setzen die Hormone Etonogestrel und Ethinylestradiol frei. Sie haben die gleiche Größe und dasselbe Anwendungsprinzip. Ein Ring wird zu einem bestimmten Zykluspunkt in die Scheide eingeführt und verbleibt dort drei Wochen. Nach Entnahme tritt die Regelblutung auf. Die Präparate unterscheiden sich jedoch in ihren Trägermaterialien. Hier vermutet die AMK eine Ursache. So bestünden die Originale Nuvraring und Circlet aus einem Gemisch zweier unterschiedlicher Ethylen-Vinylacetat-Copolymere, während die generischen Präparate ein Ethylen-Vinylacetat-Copolymer und zusätzlich Polyurethan enthielten. Auch im Herstellungsprozess gebe es Unterschiede. »Wenn Ringe brechen, dann vor allem an der produktionsbedingten Schweißnaht«, heißt es von Seiten der AMK.

Bei einem Ringbruch ist die konstante Freisetzung der enthaltenen Hormone nicht mehr gewährleistet. Und tatsächlich wurden der AMK konkrete Nebenwirkungen gemeldet; fünf zu den Originalpräparaten, 31 zu Generika. »In der Mehrzahl dieser Fälle wurde ein Drücken bis hin zu starken Schmerzen geschildert; teilweise auch mit begleitenden Blutungen aufgrund von vermuteten lokalen Schleimhautverletzungen«, berichtet die AMK. Zwei Frauen gaben an, den Vaginalring nach dem Bruch vorzeitig entnommen und aus Angst vor Verlust der kontrazeptiven Wirkung zusätzliche Verhütungsmethoden angewandt zu haben. In einem Fall sei der Ringbruch nach dem Geschlechtsverkehr bemerkt worden. Die betroffene Frau nahm daraufhin ein Notfallkontrazeptivum ein.

Nur in wenigen Fällen passierte der Ringbruch während des Einsetzens oder der Entnahme. In 80 Prozent der Fälle, in denen die Tragedauer dokumentiert wurde, trat der Ringbruch innerhalb der ersten zwei Wochen des Menstruationszyklus auf.

Nur intakte Vaginalringe einsetzen

Apotheker sollten Frauen bei der Abgabe vor allem von generischen Vaginalringen darüber informieren, dass sie nur intakte Präparate anwenden sollten. Darüber informiert heute parallel auch die ABDABundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in einer Pressemitteilung. Gebrochene oder gerissene Ringe sollten nicht benutzt beziehungsweise entfernt werden. Unterleibsschmerzen können auf einen gebrochenen Ring hindeuten. 

»Ich rate Frauen, die einen gebrochenen Ring bemerken, dies mit ihrem Apotheker zu besprechen und sich bezüglich der Notwendigkeit einer zusätzlichen Verhütungsmethode beraten zu lassen«, sagt der AMK-Vorsitzende Professor Dr. Martin Schulz. »Sobald ein Bruch des aktuell getragenen Rings bemerkt wird, sollte dieser entfernt und ein neuer eingesetzt werden.« Es sollte daher stets ein Ersatzring vorrätig gehalten werden. Wenn die Therapie länger als drei Stunden unterbrochen war, soll zusätzlich eine Barrieremethode zur Verhütung angewandt werden, raten die Hersteller, und zwar parallel für mindestens sieben Tage.

Sollten aufgrund eines Ringbruchs Nebenwirkungen wie Schmerzen, Blutungen, lokale Druckgefühle oder Hautreaktionen aufgetreten sein, sind Apotheker aufgefordert, diese an die AMK zu melden.

Mehr von Avoxa