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Lagevrio und Paxlovid

Mit Checklisten zu neuen Covid-19-Medikamenten beraten

Entscheidend für den Erfolg der neuen Corona-Medikamente Molnupiravir (Lagevrio® von MSD) und Nirmatrelvir plus Ritonavir (Paxlovid® von Pfizer) wird ihr frühzeitiger und vor allem sachgerechter Einsatz bei einer SARS-CoV-2-Infektion sein. Die AMK hat jeweils einen Beratungs- und Dokumentationsleitfaden für Apotheken entworfen – der für Molnupiravir ist nun online.
Daniela Hüttemann
03.01.2022  13:48 Uhr
Mit Checklisten zu neuen Covid-19-Medikamenten beraten

Die Leitfäden wurden von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg, erarbeitet. Sie sind in Checklisten-Form sehr übersichtlich gehalten und auf der AMK-Website herunterzuladen. Seit Montagmittag steht dort die Checkliste für Lagevrio zur Verfügung; der Leitfaden für Paxlovid soll zeitnah folgen. Die AMK rechnet damit, dass auch Paxlovid in Kürze durch das Bundesgesundheitsministerium verfügbar gemacht wird. Weiteres Informationsmaterial sowohl für Anwendende als auch die Heilberufe sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu finden.

Im Beratungs- und Dokumentationsleitfäden sollen Apotheken zunächst einmal dokumentieren, ob für den entsprechenden Patienten eine Verordnung vorliegt und wie diese der Apotheke mitgeteilt wurde. Eine Bestellung auf Vorrat ist nicht zulässig. Der Beginn der Symptome sollte maximal fünf Tage her sein. Außerdem soll erfasst werden, wie der Impfstatus ist. 

Beide Präparate müssen über fünf Tage eingenommen werden. Bevor die Tabletten beziehungsweise Kapseln verordnet werden, muss der Arzt zudem eine schwere Covid-19-Erkrankung ausschließen. Vorgesehen sind die neuen Covid-19-Medikamente bei Patienten mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Infektionsverlauf. Dementsprechend sollen der oder die vorliegenden Risikofaktoren wie Übergewicht oder Diabetes dokumentiert werden. Die indikationsgerechte Verordnung muss jedoch nicht von der Apotheke überprüft werden.

Schwangerschaft ausschließen und doppelt verhüten

Vorerst kontraindiziert (Lagevrio) beziehungsweise nicht empfohlen (Paxlovid) aufgrund fehlender Daten zur Sicherheit sind die Medikamente bei Schwangeren. Dies muss der Verordner vorher abklären. Frauen im gebärfähigen Alter sind darauf hinzuweisen, dass sie eine geeignete Verhütungsmethode anwenden, wenn nicht ohnehin aufgrund der Erkrankung eine sexuelle Abstinenz vorliegt.

Größer scheint das Risiko für das ungeborene Kind bei Molnupiravir zu sein. In Tierversuchen wirkte es reproduktionstoxisch: Frauen im gebärfähigen Alter müssen vor einer Behandlung einen Schwangerschaftstest durchführen. Sind sie nicht schwanger, müssen sie während der Molnupiravir-Behandlung sowie vier weitere Tage zuverlässig verhüten, bei hormoneller Verhütung zusätzlich mit einer Barrieremethode. Männer sollten vorsichtshalber während der Behandlung und in den folgenden drei Monaten kein Kind zeugen, auch wenn noch keine Daten zur Auswirkung von Molnupiravir auf die Fertilität beim Menschen vorliegen.

Cave: Unter Paxlovid könnte aufgrund des Interaktionspotenzials eine hormonale Kontrazeption nicht wirksam sein. Mütter von Säuglingen sollen einen Stillpause bis einschließlich vier Tage nach der letzten Dosis einlegen. Das gilt für beide Covid-19-Präparate.

Während es bei Molnupiravir bislang keine Anzeichen für klinisch relevante Wechselwirkungen gibt, kann Nirmatrelvir/Ritonavir mit zahlreichen Arzneistoffen interagieren. Arzt und Apotheker müssen die Dauermedikation dementsprechend überprüfen, gegebenenfalls anpassen oder pausieren oder Molnupiravir bevorzugen.

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