Arthrose am Knie ist sehr häufig und kann sehr einschränkend sein. / © Getty Images/SummerParadive
Gelenke sind wichtig für zahlreiche Bewegungsabläufe und müssen dabei täglich hohe Belastungen abfedern. Dafür ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel unter anderem aus Gelenkflächen, Knorpel, Bindegewebe, Synovialflüssigkeit und umliegender Muskulatur nötig. Diese Strukturen tragen dazu bei, dass Bewegungen möglichst reibungsarm ablaufen, Druck verteilt wird und der Knorpel versorgt bleibt. Gerät dieses Gleichgewicht aus Belastung, Abnutzung und Erneuerung aus dem Takt, können sich mit der Zeit Gelenkbeschwerden entwickeln.
Durch einen andauernden Abbau von Gelenkknorpel kann im Verlauf die degenerative Gelenkerkrankung Arthrose entstehen. Begünstigt wird das durch ein höheres Lebensalter, Traumata, Übergewicht, angeborene Fehlstellungen sowie eine übermäßige Belastung der Gelenke aufgrund unterschiedlicher Ursachen. Die Kniearthrose (Gonarthrose) kommt häufig vor: Man geht davon aus, dass circa die Hälfte aller Frauen und ein Drittel aller Männer über 65 Jahren darunter leiden. Aber auch Hüftgelenke, das Daumengrundgelenk durch übermäßige Handynutzung sowie Gelenke der Schulter und Zwischenwirbel im Hals- und Lendenwirbelbereich können betroffen sein.
Menschen mit Arthrose leiden vor allem unter schmerzenden Gelenken, einer Arthralgie. Diese treten besonders bei Belastung oder beim Anlaufen auf. In der Nacht und bei Ruhe werden die Beschwerden oft besser, wobei das je nach Stadium auch anders sein kann. Die Reibungen im Gelenk sind teilweise fühlbar und es kommt zu Krepitationen (hörbaren Knirschgeräuschen). Außerdem treten immer wieder akute Phasen mit Gelenkergüssen und Entzündungsanzeichen auf. Langfristig und unbehandelt können zudem Deformationen und Bewegungseinschränkungen entstehen.
Die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) verschiedener Art soll insbesondere die Schmerzen lindern und die Funktionsfähigkeit des betroffenen Gelenks verbessern. Diese beiden Parameter werden auch immer wieder in Studien als Kontrollpunkte angesetzt. Wichtig ist, dass es für die Wirksamkeit einer alleinigen und prophylaktischen Anwendung bei gesunden Menschen keine Evidenz gibt – unabhängig vom Mittel. Primärpräventionsmaßnahmen sind insbesondere Gewichtsmanagement, Vermeidung von Gelenktraumata, ausreichend Bewegung mit gelenkschonenden Sportarten und eine ausgewogene, antioxidative Ernährung.
Diese Art der Ernährung umfasst einerseits die Reduktion entzündungsfördernder Lebensmittel (zum Beispiel Schweinefleisch mit hohem Gehalt an Arachidonsäure) und andererseits den Verzehr entzündungshemmender Nahrungsmittel (wie Seefisch mit hohem Omega-3-Fettsäuregehalt, Vitamin-C-reiches Obst und Gemüse). Da oxidativer Stress ein molekularer Treiber des Knorpelabbaus ist, wird durch diese Art der Ernährung die Knorpelbildung unterstützt. Eine zusätzliche Supplementierung ist nur notwendig, wenn ein Mangel bestimmter Mikronährstoffe vorliegt und diagnostiziert wurde.
Die ergänzende Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D in Form von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) oder Arzneimitteln ist laut aktueller Studienlage von geringer bis höchstens moderater Evidenz. Sie sollte nur eingesetzt werden, wenn der Bedarf über die Ernährung nicht ausreichend gedeckt werden kann. Da vor allem ein höheres Lebensalter als Risikofaktor gilt, ist es sinnvoll, etwa jährlich den Calcium- und Vitamin-D-Spiegel bestimmen zu lassen, um einen Mangel ausgleichen zu können und so einer Arthrose vorzubeugen. Zudem sollten ausreichend Proteine – täglich circa 0,8 bis 1,0 g/kg Körpergewicht, bei Sportlern auch etwas mehr – aufgenommen werden, da sie wichtige Bausteine des Gelenkknorpels darstellen. Bei einer ausgewogenen Ernährung sind in der Regel keine ergänzenden Proteinpulver notwendig.
Glucosamin und Chondroitinsulfat gehören zu den »Symptomatic Slow-Acting Drugs in Osteoarthritis« (SYSADOA) und kommen natürlicherweise im Gelenk, vor allem im Knorpel, vor. Die Studienlage zur Supplementierung bei Arthrose ist uneinheitlich, und eine chondroprotektive Wirkung ist aktuell nicht umfassend belegt. Bei der Abgabe in der Apotheke ist darauf hinzuweisen, dass ein möglicher Effekt frühestens nach ein bis zwei Monaten zu erwarten ist. Studien deuten darauf hin, dass eine kombinierte Einnahme von Glucosamin und Chondroitinsulfat bei mittelschweren bis schweren Schmerzen ein besseres Ansprechen zeigt als bei Patienten mit leichten Beschwerden.
In der aktuellen S3-Leitlinie »Prävention und Therapie der Gonarthrose« wird Glucosamin aufgrund mangelhafter Wirksamkeitsbelege nicht zur Therapie empfohlen. Glucosamin gibt es als NEM und auch als apothekenpflichtiges Arzneimittel. Letztere sind zur Linderung von Symptomen leichter bis mittelschwerer Arthrose des Kniegelenks zugelassen und werden in der Regel gut vertragen. Es wird meist aus Chitin von Krustentieren gewonnen, weshalb Betroffene mit Schalentierallergie ein Präparat nicht tierischen Ursprungs nehmen sollten. Bei Glucosamin ist außerdem zu beachten, dass es den Blutzucker- und Fettstoffwechsel beeinflussen kann. Das ist besonders für Menschen mit Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen relevant. Auf eine mögliche Wechselwirkung mit Vitamin-K-Antagonisten und Tetracyclinen ist hinzuweisen.
In einer auf 26 Studien basierenden Untersuchung aus der Schweiz zeigte sich durch Chondroitinsulfat eine Reduktion von Schmerzen und Funktionseinschränkungen innerhalb von sechs Monaten Einnahmezeit; später war dieser Effekt jedoch nicht mehr so stark ausgeprägt. Chondroitinsulfat ist in Deutschland nur als NEM auf dem Markt. Im Gegensatz dazu gibt es in der Schweiz apothekenpflichtige Präparate, die sogar in bestimmten Fällen von den Krankenkassen bezahlt werden. Die dort vertriebenen Arzneimittel enthalten 400 mg oder 800 mg des Wirkstoffs und werden ein- bis zweimal täglich eingenommen. Als häufigste Nebenwirkungen werden Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen genannt.
Die Indische Gelbwurz, auch Curcuma genannt, enthält den Inhaltsstoff Curcumin. Dieser wirkt antioxidativ, ist aber schlecht bioverfügbar. / © Getty Images/yokeetod
Auch Kollagen ist ein Bestandteil des Gelenkknorpels. Die Studienlage bezüglich der Wirksamkeit von oral verabreichten Kollagenpeptiden beziehungsweise einzelner Aminosäuren, aus denen Kollagen zusammengesetzt ist, ist ebenfalls uneindeutig. Einige kleinere und teils herstellerfinanzierte Studien zeigen geringe bis moderate Effekte. Erschwert wird die Bewertung durch die breite Masse an NEM verschiedener Arten von Kollagen, die sich auf dem Markt befinden. Das Gleiche gilt für Hyaluronsäure, die oral eingenommen wird.
NEM mit Curcuma-Extrakt beziehungsweise Curcumin zeigen antientzündliche Eigenschaften und können bei Symptomen in Zusammenhang mit Arthrose helfen. In Studien wurde teilweise die Wirkung gegenüber Placebo und auch gegenüber NSAR verglichen. Auch wenn Hinweise zur Wirksamkeit aus Studien durchaus vorhanden sind, reichen deren Qualität und Menge bislang nicht aus, um eine ausreichende Evidenz zu gewährleisten. Zu diesem Schluss kommt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) in einer Stellungnahme aus 2026 zur Anwendung von Curcuma und Curcumin bei Arthrose. Die Datenlage reicht derzeit noch nicht für eine Empfehlung aus. Die DGRh spricht sich jedoch für Curcuma in der Ernährung als natürliches Gewürz aus, falls die Betroffenen dennoch einen Versuch starten möchten. Für MSM (Methylsulfonylmethan) und Weihrauch-Extrakt kann aufgrund mangelnder Evidenz und des Fehlens groß angelegter Studien derzeit keine Empfehlung ausgesprochen werden.
Menschen mit Arthrose, die nach NEM-Präparaten in der Apotheke fragen, sollten darauf hingewiesen werden, dass Produkte unbekannten Ursprungs, mit groß angelegten Werbeversprechen und aus unklaren Quellen, insbesondere aus dem Internet, aufgrund mangelnder Sicherheit nicht zu empfehlen sind. NEM sollten grundsätzlich als Therapiebegleitung oder Therapieversuch angesehen werden und letztlich Teil eines Behandlungskonzeptes sein, das eine ärztliche und physiotherapeutische Betreuung beinhaltet.
Zusätzlich sollten Ernährungsempfehlungen umgesetzt werden, die insbesondere das Gewichtsmanagement betreffen, und Bewegung im Alltag integriert werden. Vor allem gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind zu empfehlen, um die umliegende Muskulatur zu erhalten und so die Funktion des Gelenks zu unterstützen. In schweren und weit fortgeschrittenen Fällen werden individuell auch Endoprothesen in Betracht gezogen.