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Immunantwort auf SARS-CoV-2

Was läuft bei Kindern besser?

Während ältere Menschen ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben, erkranken Kinder in der Regel leicht oder gar nicht. Ein Vergleich der Immunantworten zeigte nun, dass die spezifische bei Kindern deutlich geringer ausfiel – was zu schützen scheint.
Christina Hohmann-Jeddi
22.09.2020  18:00 Uhr

Kinder und Jugendliche haben in der Regel mildere Infektionen mit SARS-CoV-2 als Erwachsene. Selbst bei Patienten mit der neu entdeckten Komplikation Multisystem Inflammatorisches Syndrom (MIS-C) ist die Mortalität gering. Die Gründe hierfür vermuteten Forscher um Carl Pierce vom Albert Einstein College of Medicine in New York und Kollegen von der Yale Universität in New Haven in der antiviralen Antwort des Immunsystems.

Daher untersuchten sie die humorale und zelluläre Immunantwort und die Zytokinlevel von 65 Kindern und jungen Erwachsenen (bis 24 Jahre) und 60 Erwachsenen mit Covid-19, die in New York hospitalisiert waren. Wie das Team im Fachjournal »Science Translational Medicine« berichtet, hatten die pädiatrischen Patienten eine kürzere Aufenthaltsdauer in der Klinik, mussten seltener beatmet werden (8 versus 37 Prozent) und hatten eine niedrigere Mortalität (3 versus 28 Prozent).

Trotz dieses deutlich positiveren Outcomes wiesen die Kinder und jungen Erwachsenen niedrigere T-Zellantworten gegenüber dem Spike-Protein des Coronavirus und niedrigere Antikörperantworten auf. Die Konzentration der neutralisierenden Antikörper nahm mit dem Alter zu, ebenso wie die Serumkonzentrationen von TNF- α und Interleukin-6. Dagegen nahmen die Serumkonzentrationen von Interleukin-17A und IFN- γ, die beide mit der angeborenen Immunabwehr assoziiert sind, mit dem Alter ab.

Ein vorbestehender Immunschutz gegen banale Erkältungs-Coronaviren wie HCoV-HKU1 oder HCoV-OC43 war zuvor als eine mögliche Erklärung für die unterschiedlich ausgeprägten Verläufe von Covid-19 ins Spiel gebracht worden. Bezüglich der Antikörperlevel gegen andere Coronaviren gab es in der vorliegenden Untersuchung jedoch keine Unterschiede zwischen Kindern und Jugendlichen und älteren Erwachsenen, auch nicht hinsichtlich der Schwere des Verlaufs. Daher gehen die Autoren davon aus, dass bereits vorhandene Antikörper gegen Erkältungs-Coronaviren den klinischen Verlauf wenig beeinflussen.

Zusammengenommen zeigten die Ergebnisse, dass das schlechtere Outcome von Erwachsenen mit Covid-19 im Vergleich zu Kindern nicht auf ein Versagen der adaptiven Immunantwort zurückgehe, schreiben die Forscher. Die robusten Antworten des spezifischen Immunsystems scheinen sie nicht zu schützen.  Für einen milden Verlauf scheint das angeborene Immunsystem wichtig zu sein: »Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass Kinder mit Covid-19 besser zurechtkommen als Erwachsene, weil sie ein stärkeres angeborenes Immunsystem haben«, sagt Seniorautor Professor Dr. Betsy Herold in einer Pressemitteilung des Albert Einstein College of Medicine. Gerade die abnehmende IL-17A-Konzentration mit zunehmendem Alter weise darauf hin. Schon andere Arbeitsgruppen hatten eine Dysfunktion der angeborenen Immunantwort bei Älteren beschrieben. Dass die spezifische Immunantwort bei Kindern schwächer ausfällt, könnte eine Konsequenz aus der stärkeren angeborenen Immunantwort sein.

Die Ergebnisse hätten auch Implikationen für laufende Studien zu möglichen Covid-19-Therapien, heißt es in der Publikation. Die hohen Titer an neutralisierenden Antikörpern bei Erwachsenen und die stärkere T-Zellantwort legten nahe, dass es nicht nützlich sein könnte, diese Funktionen noch zu verstärken, vor allem nicht zu einem späten Zeitpunkt der Infektion. Wichtiger könnte die Stärkung der angeborenen Immunantwort sein.

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