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Corona-Infektion

Schwächere Immunreaktion bei Kindern

Kinder reagieren auf eine SARS-CoV-2-Infektion anders als Erwachsene. Wie genau, zeigt eine neue Studie aus Hongkong. Fehlende Vorinfektionen durch saisonale Corona-Erkältungsviren könnten ein Grund für die Unterschiede sein.
Theo Dingermann
03.08.2021  12:30 Uhr

Das mittlerweile nicht mehr ganz so »neue« Coronavirus SARS-CoV-2 traf auf eine nahezu komplett immunnaive Weltbevölkerung. Ein immunologisches Gedächtnis, das manche Menschen gegen andere humanpathogene Coronaviren besitzen, reicht zur Abwehr einer SARS-CoV-2-Infektion keineswegs aus, wie man mittlerweile weiß. 

Erstaunlicherweise verlaufen SARS-CoV-2-Infektionen bei Kindern meist deutlich milder als bei Erwachsenen. Über die Gründe ist noch wenig bekannt. Hinweise liefert jetzt jedoch eine Studie, die in »Nature Communications« publiziert wurde. Carolyn A. Cohen und Kollegen vom HKU-Pasteur Research Pole, School of Public Health der Universität von Hong Kong untersuchten die Immunreaktion nach einer SARS-CoV-2-Infektion bei 24 Kindern und 45 Erwachsenen über einen Zeitraum von sechs Monaten. Als Kontrollgruppe dienten nicht infizierte Erwachsene.

Geringere T-Zellantwort bei Kindern

Die Autoren stellten fest, dass infizierte Kinder im Vergleich zu infizierten Erwachsenen geringere T-Zell-Reaktionen auf SARS-CoV-2 zeigen. Ein Grund könnte darin bestehen, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen niedrigere Antikörperspiegel gegen andere β-Coronaviren besitzen, sodass das Ausgangsniveau der Immunität gegen Coronaviren unterschiedlich ist. Die Autoren diskutieren die Hypothese, dass dieser Unterschied relevant sein könnte, sodass eine fehlende frühere Immunität gegen β-Coronaviren und eine geringere T-Zell-Aktivierung zu einem milderen Verlauf von Covid-19 bei Kindern führen könnte.

Ihre Schlüsse ziehen die Wissenschaftler aus Daten zur Ausgewogenheit der Spezifität, von Gedächtnisphänotypen, der Zytokinqualität und der longitudinalen Stabilität von SARS-CoV-2-T-Zellantworten bei Kindern im Alter von 2 bis 13 Jahren und von Erwachsenen mit asymptomatischer oder symptomatischer Infektion. Primäres Ziel war es, die Rolle der T-Zellen bei der Pathogenese der milderen Krankheit bei Kindern verstehen zu lernen.

So fanden die Wissenschaftler heraus, dass die IFNγ-Antworten der CD4+- und CD8+-T-Zellen gegen die viralen Strukturproteine bei Kindern signifikant niedriger ausfallen als bei Erwachsenen. Dies gilt auch für CD8+-T-Zellen, die ORF1-Proteine erkennen. Während infizierte Erwachsene deutlich höhere strukturspezifische CD4+-Zell-Antworten aufwiesen als negative Erwachsene, zeigten die Antworten infizierter Kinder erst nach der dem Abklingen der Infektion einen signifikanten Anstieg im Vergleich zu nicht infizierten Kindern, wobei diese Antworten jedoch immer noch niedriger waren als die der infizierten Erwachsenen.

Die T-Zell-Antworten infizierter Kinder wiesen zudem eine geringere maximale Aktivierung auf als die der negativen Kontrollen bei nicht infizierten Kindern. Dies könnte darauf hindeuten, dass die T-Zell-Aktivierung durch eine akute Infektion ausbleibt und dass bei SARS-CoV-2-infizierten Kindern die T-Zell-Antwort eher gedämpft vonstatten geht.

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