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Hüft- und Kniegelenk-Ersatz
Was geht vor und nach der OP bei Arthrose?

Vor der Operation Zucker und Gewicht kontrollieren

Wichtig sei die aktive Mitarbeit der Patienten. Die Physiotherapie können nur ein Start sein, bei dem die Muskulatur der Patienten ohne Belastung aktiviert werde. Die Übungen sollten die Betroffenen regelmäßig zu Hause weiterführen und ihre Aktivität so gut es geht erhöhen. Denn gut trainierte Muskeln entlasten die Gelenke, machen auch fitter für die anstehende OP und erhöhen die Chance, die eingesetzte Prothese ohne Beschwerden möglichst lange nutzen zu können.

Insgesamt könnten die Patienten die Wartezeit auf den Eingriff nutzen, um fitter für ihre Endoprothesen-OP zu werden. »Betroffene sollten sich von ihrem Hausarzt über ihre persönlichen Risikofaktoren aufklären lassen und dann versuchen, gezielt gegenzusteuern«, sagte Kirschner. Dazu gehören mehr Bewegung und gesunde Ernährung, um Gewicht zu reduzieren, eine Überprüfung und gute Einzustellung des Blutzuckerspiegels, ein Rauchstopp und auch noch einmal ein Zahnarztbesuch. Denn jede Art von Entzündung, wie sie durch eine aktivierte Arthrose selbst, aber auch Diabetes, Zahnfleischentzündungen oder Zystitis vorhanden sein können, erhöht das Risiko für Komplikationen bei der OP sowie das Infektionsrisiko.

Von Physiotherapie und mehr Bewegung profitierten Übergewichtige und Patienten mit anderen Vorerkrankungen am meisten, auch wenn gerade diese Gruppen einer aktivierenden Therapie erst einmal skeptisch gegenüber stünden, so Kirschner. Für die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Kurkuma gebe es keine Evidenz, doch könnten sie den entzündlichen Stoffwechsel positiv beeinflussen. »Wichtiger ist jedoch eine gute Lebensführung mit gesunder Ernährung.« Kirschners Tipp: Treppen laufen statt Fahrstuhl fahren und vor allem abends maßvoll essen.

Wie viel und welcher Sport ist erlaubt?

Nach der Operation ist Sport genauso wichtig wie davor. »Dass Patienten sich mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk schonen sollen, ist längst überholt – sie können und sollen die Prothese intensiv nutzen«, betonte Professor Dr. Carsten Perka, Generalsekretär der Fachgesellschaft und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin. Vor Lockerungen der Prothese oder gar Materialbrüchen müsse niemand mit moderner Prothese mehr Angst haben. »Die modernen Implantate halten auch extreme Belastungen aus«, so Perka, selbst Marathonlaufen sei möglich. Einzig von Kampfsportarten werde abgeraten. Der Experte betonte: »Inaktivität ist ein viel größeres Risiko für die Prothese als Sport.« Und: »Bloß nicht passiv werden, sondern vor und nach der Operation die Muskulatur kräftigen.«

Gelenkschonende Sportarten wie Wandern, Nordic Walking, Radfahren oder Skilanglauf gingen immer. Ansonsten komme es auch darauf an, welchen Sport der Patient vorher schon betrieben habe und auch nach der Operation ausüben möchte. Perka riet ab, Skifahren erst mit Prothese zu lernen; doch wer mit den Bewegungsmustern vertraut sei, könne weiterhin den Hügel herunterfahren. Auch Sportarten, bei denen die Gelenke einen großen Bewegungsradius brauchten wie Ballett oder Yoga, die früher mit Prothese kaum oder nur eingeschränkt möglich waren, seien nun kein Tabu mehr. Gleiches gelte für viel Gartenarbeit in der Hocke.

Grundsätzlich seien alle heute verbauten Prothesen für den normalen Alltag gut geeignet. Für Sportler und vor allem auch jüngere Patienten seien Keramik-Keramik-Prothesen, die nur einen sehr geringen Abrieb hätten, eine gute Alternative, wenn auch im Schnitt 1000 Euro teurer als herkömmliche Prothesen. Dafür könne man von einer Haltbarkeit von mindestens 25 Jahren ausgehen. Daraus könnten sich eingesparte Prothesenwechsel ergeben. Dies werde bei der bisherigen Vergütung per Fallpauschalen jedoch nicht berücksichtigt, kritisierte Präsident Heller.

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