| Daniela Hüttemann |
| 31.08.2026 16:00 Uhr |
Wegovy-Tabletten müssen nach strengen Vorgaben einmal täglich nüchtern eingenommen werden, damit genügend Wirkstoff aufgenommen werden kann. Die Erhaltungsdosis liegt bei 25 mg pro Tag und damit deutlich höher als bei subkutaner Applikation mit 2,4 mg einmal wöchentlich. / © Novo Nordisk
Wer sich nicht gern spritzt, kann sich ab morgen Semaglutid zum Schlucken verordnen lassen. Der Datenstand 1. September listet die Wegovy-Tabletten bereits in drei Wirkstärken mit jeweils 30 Stück. Verschiedene Apotheken berichteten der Pharmazeutischen Zeitung auf Nachfrage, das Präparat sei am Montagvormittag noch nicht bestellbar gewesen. Dies lag laut Auskunft des Phagro daran, dass noch keine Pharmazentralnummern hinterlegt waren. Ab morgen sollen die Tabletten bestellbar sein. Patientenanfragen gab es bislang vereinzelt und auch nicht bei allen Apotheken. Ob wirklich mit einem »Ansturm« zu rechnen ist, wie manche Medien suggerieren, bleibt abzuwarten.
Hersteller Novo Nordisk hatte der PZ bereits Mitte August mitgeteilt: »Zum 1. September 2026 erfolgt der Eintrag des Medikaments in die Lauer-Taxe. Ab diesem Zeitpunkt können Wegovy®-Tabletten verordnet werden – dementsprechend liefern wir vorher aus. Es ist ausreichend Ware verfügbar, um die erwartete Nachfrage zu bedienen. Ab dem 1. September sind dann auch die Preise transparent einsehbar. Bereits heute können wir mitteilen, dass die Kosten mit denen des Wegovy®-Pens vergleichbar sein werden.«
Derzeit kostet die Monatspackung des Pens in der höchsten Wirkstärke 2,4 mg mit 1 × 3 ml 277,60 Euro. Sieht man sich die Vorschau in der Lauer-Taxe mit Datenstand 1. September an, sind dort Wegovy-Tabletten mit 1,5, 4 und 9 mg Wirkstärke als Packungen mit jeweils 30 Tabletten aufgeführt, aber noch nicht die zugelassene reguläre Erhaltungsdosis in Form von 25-mg-Tabletten zur einmal täglichen Einnahme.
Die 9-mg-Stärke ist aktuell mit einem Verkaufspreis von 233,32 Euro gekennzeichnet; die Erhaltungsdosis dürfte dann ein ähnliches Preisniveau haben wie ein Fertigpen, der vier Dosen zu 2,4 mg Semaglutid enthält. Wie andere Abnehmmedikamente auch sind die neuen Tabletten von der Erstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen.
Wie bei der Injektionslösung muss die Dosis langsam eingeschlichen und schrittweise erhöht werden. Die schlechte orale Verfügbarkeit erfordert eine sehr hohe Wirkstoffkonzentration in der Tablette, einen Resorptionsvermittler und strenge Einnahmevorschriften. Die Indikationsgebiete, der Wirkmechanismus, der zu erwartende Abnehmeffekt und auch das Nebenwirkungsprofil sind ansonsten im Prinzip bei dosisäquivalenter Anwendung identisch.
Der einzige große Unterschied: Die Injektionslösung muss sich der Patient nur einmal wöchentlich subkutan spritzen, die Tablette einmal täglich schlucken. Ob das ein Vorteil ist, hängt individuell vom Patienten ab.
KwikPen wie Tablette enthalten den GLP-1-Rezeptoragonisten Semaglutid und beide sind zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit einer Adipositas (BMI ab 30 kg/m2) oder mit Übergewicht (BMI ab 27 kg/m2) plus einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung wie Diabetes, Bluthochdruck, Lipidstoffwechselstörung, obstruktiver Schlafapnoe, Herzinfarkt und Schlaganfall in der Vorgeschichte oder Problemen mit den Blutgefäßen. Die Injektionslösung im Fertigpen ist auch für adipöse Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen; die Tablette bislang nur für Erwachsene. Eine Lebensstiländerung mit Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie ist und bleibt die Basis der Adipositastherapie.
In der Zulassungsstudie konnte mit der 25-mg-Tablette einmal täglich eine vergleichbare Gewichtsabnahme wie mit der Injektionslösung einmal wöchentlich erzielt werden – durchschnittlich waren es 13,6 Prozent nach 64 Wochen Behandlung, verglichen mit 2,2 Prozent unter Placebo. Die Anwenderinnen und Anwender können im Schnitt (je nach Ausgangsgewicht) mit zehn bis zwölf Kilogramm über ein Jahr in höchster zugelassener Dosierung rechnen.
Ebenso sind das Nebenwirkungs- und Sicherheitsprofil vergleichbar. Am häufigsten sind gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und dyspeptische Beschwerden, die vor allem zu Behandlungsbeginn auftreten. Schwere Nebenwirkungen sind selten.
Die niedrig dosierten Tabletten sind rund und haben einen Durchmesser von 6,5 mm. Die 25-mg-Tablette ist dagegen oval mit den Maßen 6,8 × 12 mm. Die Anfangsdosis beträgt 1,5 mg einmal täglich und wird nach jeweils mindestens vier Wochen auf die nächsthöhere Tablettenstärke umgestellt. Bei Bedarf kann die Dosis auf der vorherigen Dosisstufe beibehalten werden. Die tägliche maximale Einzeldosis beträgt 25 mg.
Wer vom Fertigpen mit 2,4 mg Semaglutid auf die Tablette wechseln möchte, kann eine Woche nach der letzten subkutanen Dosis mit der 25-mg-Tablette beginnen.
Wichtig ist die korrekte Anwendung, damit der Wirkstoff aufgenommen werden kann. »Oral verabreichtes Semaglutid sollte immer als eine Tablette pro Tag eingenommen werden«, heißt es in der Fachinformation. »Die Einnahme von mehr als einer Tablette pro Tag zur Erzielung der Wirkung einer höheren Dosis sollte nicht erfolgen.«
Ob Tablette oder Spritze, bleibt also letztlich Geschmackssache des Anwenders (Spritzenphobie, Schluckstörungen, motorische Fähigkeiten et cetera). Bei Polymedikationspatienten kann der Fertigpen die bessere Alternative sein. Auch dürfte es einigen Menschen im Alltag schwerfallen, Fastenzeit und Abstand zur nächsten Mahlzeit einzuhalten. Dies ist jedoch für die Resorption des Peptids essenziell. Möglicherweise wird auch die Verfügbarkeit eine Rolle für die Verordnung spielen.