Während früher bei Epilepsie von Sport abgeraten wurde, werden Patienten heute zum Training ermutigt. Viele Sportarten, vor allem Joggen, Nordic Walking und Ballsportarten, gelten als sicher. / © Getty Images/BartekSzewczyk
Fußballstar Jamal Musiala hat nach seinen jüngsten Aussetzern von »Absencen« gesprochen – zurückzuführen auf eine »neurologische Dysfunktion«. Fachleuten zufolge können solche Absencen, also Bewusstseinsaussetzer, eine Form epileptischer Anfälle sein.
Der Fall des Profisportlers, der beim FC Bayern München unter Vertrag steht, lenkt den Blick damit auch auf eine Frage, die Menschen mit Epilepsie umtreibt: Was ist mit Epilepsie im Hobbysport möglich, und wo liegen Risiken?
Grundsätzlich gilt: Eine Epilepsie bedeutet nicht, dass jemand auf Sport verzichten muss. Regelmäßige Bewegung trägt vielmehr auch bei Menschen mit Epilepsie zu einer Verbesserung der Fitness, Koordination, des psychischen Wohlbefindens und allgemein der Lebensqualität bei. Außerdem scheint körperliche Bewegung die Anfallshäufigkeit zu senken, wie ein Review im Journal »Deutsches Ärzteblatt International« von 2020 zeigt.
Welche Sportart geeignet ist, hängt dabei neben persönlichen Präferenzen stark vom Einzelfall und den individuellen Voraussetzungen ab. Entscheidende Faktoren sind zum Beispiel die Form und Häufigkeit der Anfälle, wie gut man einen Anfall und damit einhergehende Risiken selbst einschätzen kann, welche Arzneimittel man einnimmt sowie die Risiken der jeweiligen Sportart. Das erklärt die gemeinnützige Stiftung Michael in einer Broschüre zum Thema Sport bei Epilepsie.
Beim Joggen, Wandern, Nordic Walking, Skilanglauf oder vielen Ballsportarten kann die Situation anders aussehen als beim Klettern, auf dem Fahrrad im Straßenverkehr oder im Wasser. Wer sich unsicher ist, findet in der kostenlosen Broschüre eine Orientierungshilfe: Für mehr als 60 Sportarten zeigt eine Tabelle, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen Menschen mit Epilepsie bestimmte Sport- und Bewegungsarten mit welchem Risiko ausüben können.
Besondere Vorsicht ist Fachleuten zufolge beim Schwimmen nötig. Wer noch nicht länger anfallsfrei ist, sollte laut Broschüre nur unter enger Aufsicht schwimmen – in einer Gruppe oder eins zu eins mit einer qualifizierten Begleitperson. Eine Schwimmhilfe kann zusätzliche Sicherheit bieten, schützt aber nicht zuverlässig vor dem Ertrinken und darf nur unter Aufsicht verwendet werden.
Außerdem wichtig: Wer eine neue Sportart beginnt, nach längerer Pause wieder einsteigt oder häufig Anfälle hat, bespricht die Belastung am besten zuerst mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Zusätzlich sollte man beim Sport auch immer auf Faktoren achten, die epileptische Anfälle fördern können und daher vermieden werden sollten. Dazu können unter anderem Unterzuckerung, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel oder bei bestimmten Sportarten und Epilepsien auch die Lichteinwirkung zählen.