Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Epilepsie
-
Was bei Sport zu beachten ist

Der Fußballer Jamal Musiala spricht offen über Absencen. Sie können im Zusammenhang mit Epilepsie auftreten. Da fragen sich auch Hobbysportler: Was ist bei Epilepsie problemlos möglich, und wo gibt es Risiken?
AutorKontaktdpa
Datum 20.08.2026  12:25 Uhr

Fußballstar Jamal Musiala hat nach seinen jüngsten Aussetzern von »Absencen« gesprochen – zurückzuführen auf eine »neurologische Dysfunktion«. Fachleuten zufolge können solche Absencen, also Bewusstseinsaussetzer, eine Form epileptischer Anfälle sein.

Der Fall des Profisportlers, der beim FC Bayern München unter Vertrag steht, lenkt den Blick damit auch auf eine Frage, die Menschen mit Epilepsie umtreibt: Was ist mit Epilepsie im Hobbysport möglich, und wo liegen Risiken?

Sport mit Epilepsie – geht das?

Grundsätzlich gilt: Eine Epilepsie bedeutet nicht, dass jemand auf Sport verzichten muss. Regelmäßige Bewegung trägt vielmehr auch bei Menschen mit Epilepsie zu einer Verbesserung der Fitness, Koordination, des psychischen Wohlbefindens und allgemein der Lebensqualität bei. Außerdem scheint körperliche Bewegung die Anfallshäufigkeit zu senken, wie ein Review im Journal »Deutsches Ärzteblatt International« von 2020 zeigt.

Welche Sportarten sind geeignet?

Welche Sportart geeignet ist, hängt dabei neben persönlichen Präferenzen stark vom Einzelfall und den individuellen Voraussetzungen ab. Entscheidende Faktoren sind zum Beispiel die Form und Häufigkeit der Anfälle, wie gut man einen Anfall und damit einhergehende Risiken selbst einschätzen kann, welche Arzneimittel man einnimmt sowie die Risiken der jeweiligen Sportart. Das erklärt die gemeinnützige Stiftung Michael in einer Broschüre zum Thema Sport bei Epilepsie.

Beim Joggen, Wandern, Nordic Walking, Skilanglauf oder vielen Ballsportarten kann die Situation anders aussehen als beim Klettern, auf dem Fahrrad im Straßenverkehr oder im Wasser. Wer sich unsicher ist, findet in der kostenlosen Broschüre eine Orientierungshilfe: Für mehr als 60 Sportarten zeigt eine Tabelle, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen Menschen mit Epilepsie bestimmte Sport- und Bewegungsarten mit welchem Risiko ausüben können.

Besondere Vorsicht ist Fachleuten zufolge beim Schwimmen nötig. Wer noch nicht länger anfallsfrei ist, sollte laut Broschüre nur unter enger Aufsicht schwimmen – in einer Gruppe oder eins zu eins mit einer qualifizierten Begleitperson. Eine Schwimmhilfe kann zusätzliche Sicherheit bieten, schützt aber nicht zuverlässig vor dem Ertrinken und darf nur unter Aufsicht verwendet werden.

Außerdem wichtig: Wer eine neue Sportart beginnt, nach längerer Pause wieder einsteigt oder häufig Anfälle hat, bespricht die Belastung am besten zuerst mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Zusätzlich sollte man beim Sport auch immer auf Faktoren achten, die epileptische Anfälle fördern können und daher vermieden werden sollten. Dazu können unter anderem Unterzuckerung, Überhitzung, Flüssigkeitsmangel oder bei bestimmten Sportarten und Epilepsien auch die Lichteinwirkung zählen.

Wie kann man bei einem Anfall beim Sport reagieren?

Bei einer Absence, also einem meist kurzen Bewusstseinsaussetzer, sind nach Angaben der Broschüre normalerweise keine besonderen Hilfsmaßnahmen nötig. Der Anfall ist oft vorbei, bevor die Umgebung ihn bemerkt. Wichtig ist, auf Verletzungen zu achten und die betroffene Person anschließend über das Geschehen zu informieren.

Bei einem größeren Anfall mit Sturz und Krämpfen sollten gefährliche Gegenstände aus dem Weg geräumt und die Dauer des Anfalls gemessen werden. Die betroffene Person darf nicht festgehalten werden. Sobald es möglich ist, kann sie in die stabile Seitenlage gebracht und der Kopf weich gepolstert werden.

Der Rettungsdienst unter 112 sollte gerufen werden, wenn die Krämpfe länger als fünf Minuten anhalten, der Anfall deutlich länger dauert als sonst, schwere Verletzungen entstanden sind oder vermutet wird, dass Wasser oder Erbrochenes eingeatmet wurde, oder kurz danach ein weiterer Anfall auftritt.

Wer Sport in Gruppen macht, kann einen persönlichen Notfallplan bereitstellen. Der Plan kann Umstehende darüber aufklären, wie die Anfälle aussehen, wann Hilfe nötig ist und ob die betroffene Person anschließend etwa eine Pause oder Unterstützung auf dem Heimweg braucht.

Wie wirken sich Antiepileptika auf sportliche Aktivität aus?

Durch eine Therapie mit Antiepileptika lässt sich die Häufigkeit von Anfällen deutlich reduzieren. Die Substanzen können häufig Müdigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit oder Gleichgewichtsstörungen, eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit und Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen als Nebenwirkungen auslösen, insbesondere zu Beginn einer Behandlung oder während einer Dosiserhöhung. Dadurch kann die Belastbarkeit sinken und die Unfallgefahr erhöht sein.

Die Aktivitäten (und die Erwartungen an die sportliche Leistung) sollten gegebenenfalls angepasst werden. Viele Patienten gewöhnen sich jedoch nach einigen Wochen an die Medikation, sodass die Auswirkungen deutlich nachlassen. Sollten dauerhaft Probleme wie starke Erschöpfung, häufiges Stolpern, Schwindel oder weitere Anfälle auftreten, sollte die Therapie überprüft werden.

Mehr von Avoxa