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Verzweifelte Patienten

Was Apotheker über Long Covid wissen sollten

Patienten an Selbsthilfegruppen und Ambulanzen verweisen

Zusätzlich, so Dreeke-Ehrlich, leiden die Erkrankten unter dem Tatbestand, dass sie (obwohl das Wissen zur Existenz des Phänomens Long und Post Covid derzeit enorm wachse) in ihrem persönlichen Umfeld und auch ärztlicherseits häufig auf Unverständnis und Hilflosigkeit stoßen. Umso wichtiger sei es, dass die Apotheke als niedrigschwellige Anlaufstelle mit Information und Beratung zur Stelle steht.

Es gebe verschiedene Theorien zur Entstehung der Langzeitfolgen von Covid-19-Infektionen: Eine gehe davon aus, dass es bei Post Covid unter Bildung von Auto-Antikörpern zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems kommt. Eine andere besagt, dass das SARS-CoV-2-Virus im Körper überdauern kann und zu Gewebe- und Organschäden führt.

Wie auch immer: Gerade weil es derzeit noch an gesicherten medikamentösen Therapie-Optionen zur ursächlichen Behandlung von Long/Post Covid fehle, müssten die Patienten zur Selbsthilfe und Selbststärkung angeregt werden, machte Dreeke-Ehrlich deutlich. In diesem Zusammenhang komme dem Verweis auf die Patienten-Leitlinie »Long-/Post-Covid-Syndrom« für Betroffene, aber auch für Angehörige beziehungsweise nahestehende und pflegende Personen besondere Bedeutung zu.

Zudem könne die Vermittlung der Adresse einer der bundesweiten Selbsthilfegruppen, deren Zahl derzeit zunehmend wachse, sinnvoll sein. Darüber hinaus sollte die Apotheke die Adressen von Spezial-Ambulanzen parat haben, die einige Kliniken zwischenzeitlich eingerichtet haben.

Nicht über die eigenen Grenzen gehen

Ob Kopf-, Glieder- oder Halsschmerzen, ob schmerzlindernde oder entzündungshemmende Wirkstoffe: Die symptomatische Therapie orientiere sich derzeit an den Krankheitszeichen, die behandelbar sind. Zusätzlich, so Dreeke-Ehrlich, müssen die Patienten in der Apotheke ermutigt werden, mit den eigenen Kräften hauszuhalten und nicht über die eigenen Grenzen zu gehen.

Die verfügbaren Kräfte richtig einzuteilen wird als »Pacing«-Strategie bezeichnet. Danach sind nur leichte, den verminderten Ressourcen angepasste Tätigkeiten und körperliche Aktivitäten ohne Überlastung, so zum Beispiel tägliches kurzes Spazierengehen, angezeigt. In den ersten Wochen nach der Infektion sollte beim Vorliegen anhaltender Symptome zu viel Anstrengung vermieden werden. In der Praxis bedeutet das, für ausreichend Ruhe, Entspannung und Schlaf zu sorgen sowie physischen und mentalen Stress zu meiden, da die Symptome anderenfalls verstärkt werden können.

Auch ein Zuviel an Reizen durch TV, Computerspiele oder Mobiltelefone sollte vermieden werden. Zudem könnten spezifische Entspannungstechniken wie autogenes Training, Meditation oder auch professionelle Atemübungen hilfreich sein. Dreeke-Ehrlich nannte das »angemessene Schritthalten mit der eigenen Belastungsgrenze bei allen Aktivitäten dringend notwendig«.

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