| Lukas Brockfeld |
| 01.09.2026 12:00 Uhr |
In dem Whitepaper wird eine strikte Rollentrennung angemahnt: Die Apotheke unterstütze die Patienten beim Zugang. Der Arzt erbringe die medizinische Leistung, und der Videodienstanbieter stelle die technische
Kommunikationslösung bereit. Diese Rollenverteilung habe auch eine Haftungsdimension: »Die Apotheke verantwortet ihren eigenen Prozessbeitrag: die ordnungsgemäße Organisation und Durchführung der Assistenz, die Einhaltung der Anforderungen an Räume, Technik, Datenschutz und Dokumentation sowie die korrekte Information der Patientinnen und Patienten über Art und Grenzen der Leistung«, heißt es in dem Papier. Für die Behandlung, Diagnose oder Verordnungen seien wiederum die Ärzte verantwortlich.
Da Gesundheitsdaten besonders sensibel sind, müssen Apotheken bei der assistierten Telemedizin hohe Standards beim Datenschutz einhalten. »Es muss klar sein, wer für welche Verarbeitung verantwortlich ist, welche Daten zu welchem Zweck verarbeitet werden, wer Zugriff erhält, wie lange Daten gespeichert werden und wie Patientinnen und Patienten informiert werden«, so die Autoren.
Für die technische Umsetzung gelten daher strenge Regeln: So müsse der Betrieb des Telemedizin-Computers in einem separaten WLAN erfolgen, und versichertenbezogene Daten müssen nach jeder Nutzung zuverlässig gelöscht werden. Empfohlen werden auch Maßnahmen wie das Deaktivieren von USB-Anschlüssen und eine aktivierte Firewall.
Bei der konkreten Umsetzung sollten Apotheken darauf achten, dass sie sich nicht auf einen Telemedizin-Anbieter verengen. Viele Arztpraxen hätten sich bereits auf einen Dienstleister festgelegt. »Eine Apothekenlösung, die nur eine einzige Videosprechstundenlösung zulässt, kann deshalb die ärztliche Beteiligung erschweren und die freie Arztwahl mittelbar verengen«, mahnen die Autoren. Daher sollten Apotheken auf eine offene, sichere und erweiterbare Prozessinfrastruktur achten.
Apotheken sollten ihre telemedizinischen Angebote so gestalten, dass sie sich gut in den Betriebsalltag integrieren lassen. Daher müsse unter anderem sichergestellt sein, dass es geeignete Räumlichkeiten und eingewiesenes Personal mit klaren Zuständigkeiten gibt. Im Alltag könne es immer wieder zu technischen Problemen kommen. Ein verlässlicher Support sei daher unerlässlich.
Zu beachten sei auch, dass der Patient sich während der Videosprechstunde grundsätzlich allein am bereitgestellten Platz befindet. Die Kommunikation mit den Patienten müsse für diese verständlich sein und gleichzeitig den Vorgaben des Heilmittelwerbegesetzes genügen. »Sachliche Information über das Angebot ist etwas anderes als eine werbliche Überhöhung medizinischer Leistungsversprechen«, heißt es in dem Papier.
Im Fazit des Whitepapers wird betont, dass assistierte Telemedizin kein einfaches »Laptop-Projekt« sei. Apotheken, die aTM anbieten möchten, sollten sich nicht nur an der grundsätzlichen Machbarkeit orientieren. »Sie sollten prüfen, ob der gesamte Prozess sicher, nachvollziehbar, rechtlich belastbar und im Apothekenalltag praktikabel organisiert werden kann«, so die Autoren.