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Kontrolle behalten
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Warum Emotionsregulation so wichtig ist

Emotionen sind manchmal schön, manchmal unangenehm, aber insgesamt lebensnotwendig. Wichtig ist es, sie regulieren zu können. Wenn dabei etwas schiefläuft, kann das erhebliche Konsequenzen für die psychische Gesundheit haben.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 03.03.2026  12:00 Uhr

Bipolare Störungen und ADHS

Auffällig ist eine Problematik mit der Emotionsregulation zum Beispiel bei bipolaren Störungen: Bei diesen liege eine globale Beeinträchtigung der Emotionsregulation vor, heißt es in einer Metaanalyse zum Thema, die 2022 im »Journal of Affective Disordes« erschien. Die Erkrankung ist unter anderem gekennzeichnet durch starke Stimmungsschwankungen, bei denen sich Episoden von Hypomanie oder Manie (deutlich gehobener Stimmung) mit depressiven Episoden abwechseln.

Der Metaanalyse zufolge hatten Personen mit bipolarer Störung erhöhte Werte auf der »Difficulties in Emotion Regulation Scale« (DERS), einer Skala, die klinisch relevante Probleme bei der Emotionsregulation misst. Probleme bestanden in allen untersuchten Unterbereichen: Akzeptanz von Gefühlen, zielgerichtetes Verhalten, Impulskontrolle, Emotionsregulationsstrategien und emotionale Klarheit. Es sollte daher ein Therapieziel sein, die emotionale Regulation zu verbessern, heißt es in dem Review.

Auch bei ADHS wird emotionale Dysregulation inzwischen als ein zentrales Merkmal neben den Hauptsymptomen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität diskutiert. Etwa 25 bis 45 Prozent der Kinder mit ADHS und 30 bis 70 Prozent der Erwachsenen habe Schwierigkeiten mit der emotionalen Kontrolle. Das könnte erklären, warum ADHS das soziale, schulische und berufliche Leben stark beeinflusst, heißt es in einem Review im Journal »PLOS one« aus dem Jahr 2023.

Die Analyse von 22 Studien mit erwachsenen ADHS-Patienten ergab, dass diese häufiger ungünstige Strategien zur Emotionsregulation nutzten als Gesunde. Emotionale Dysregulation hänge dabei mit stärkerer Symptomatik, eingeschränkten exekutiven Funktionen, psychischen Begleiterkrankungen und teils auch mit erhöhter Straffälligkeit zusammen. Zudem fänden sich Unterschiede in der Gehirnaktivität im Vergleich zu Personen ohne ADHS. Insgesamt deuteten die Studien darauf hin, dass medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungen emotionale Schwierigkeiten bei Erwachsenen mit ADHS verbessern können.

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