Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Emotionen richtig lesen
-
Wut ist nicht toxisch – sie hat eine Funktion

Oft gilt Wut als destruktive Emotion – dabei ist sie ein Indikator für verletzte Bedürfnisse oder Wertekonflikte. Sie sendet uns Signale. Wer sie richtig versteht und reguliert, kann sie sogar positiv für die persönliche Entwicklung nutzen.
AutorKontaktdpa
Datum 06.05.2026  10:30 Uhr
Wut ist nicht toxisch – sie hat eine Funktion

Gehobene Stimme, knallende Türen – so äußert sich oft Wut. Wer wütend ist, hat sich vermeintlich nicht unter Kontrolle, handelt impulsiv und destruktiv. Dabei ist Wut an sich nicht falsch, wir können sie im Gegenteil sogar positiv nutzen. Mailin Modrack, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie (DGPP), erklärt im Interview der Deutschen Presseagentur (dpa), woher Wut kommt und wie wir am besten mit ihr umgehen.

Was steckt in der Regel dahinter, wenn wir wütend werden?

Modrack: Wut tritt immer dann auf, wenn wir entweder auf Wertekonflikte reagieren oder Bedürfnisse verletzt werden. Ein typischer Wertekonflikt: Jemand äußert sich politisch anders als wir es für wichtig und richtig empfinden. Dann wäre die Wut eine emotionale Reaktion auf einen Wert, der infrage gestellt wird, vielleicht Toleranz oder Fairness oder Gleichberechtigung.

Das andere sind Bedürfnisse. Jeder Mensch hat drei Grundbedürfnisse, und zwar nach Kontrolle beziehungsweise Kompetenz, nach Autonomie und nach Bindung. Wenn wir Wut an uns erleben, können wir uns fragen: Welches dieser Bedürfnisse ist gerade verletzt, wo gibt es einen Mangel?

Wie könnte das konkret aussehen, wenn diese Bedürfnisse verletzt werden?

Modrack: Stellen Sie sich vor, Ihr Partner plant das Wochenende für Sie beide, ohne das ausreichend mit Ihnen abzusprechen, und präsentiert Ihnen den Plan. Dann werden Sie vielleicht wütend, weil Ihr Streben nach Autonomie, also freier Gestaltung und Unabhängigkeit, nicht berücksichtigt worden ist.

Beispiele für Kontrolle und Kompetenz finden wir am Arbeitsplatz. In Situationen der Unterforderung oder Überforderung etwa: Ich erlebe mich entweder nicht als kompetent, weil ich permanent unter meinen Möglichkeiten arbeite, oder bin überfordert und bekomme zu wenig Unterstützung. In beiden Fällen wäre das Bedürfnis nach Kontrolle und Kompetenz verletzt.

Wut ist häufig auch eine Reaktion auf ein nicht erfülltes Bedürfnis nach Bindung oder Verbundenheit. Zum Beispiel: Sie verabreden sich mit einer Freundin und die sagt zum wiederholten Male in Folge ab. Um seine Wut dann zu verstehen, hilft die Frage: Was brauche ich? Worum geht es eigentlich, worauf reagiert mein Körper mit der Emotion Wut?

Stichwort Körper: Wie genau fühlt sich Wut an, woran erkennt man sie?

Modrack: Wenn wir wütend sind, werden Hormone ausgeschüttet. Und zwar ganz viel Cortisol, unser Stresshormon, Adrenalin und Noradrenalin. Körperliche Marker sind so etwas wie: Der Puls beschleunigt sich, manch einer läuft rot an im Gesicht, man wird unruhig. Manche Menschen reagieren auch mit so einem leichten Zittern im Körper.

Bei solchen körperlichen Anzeichen ist es hilfreich, ein inneres Stoppschild einzureichen und zu überlegen: Was genau spüre ich eigentlich? Und was bräuchte ich, damit ich mich jetzt wieder ruhig fühle?

Mehr von Avoxa