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Scham
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Warnsignal der Seele

Erröten, Herzrasen oder am liebsten gleich im Boden versinken – Scham ist unangenehm. Doch was löst das Gefühl aus, wie geht man damit um, und wann wird es zur ernst zu nehmenden Belastung? Experten geben Antworten.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 20.07.2026  14:30 Uhr

Manchmal sind es die kleinen Dinge im Alltag, die einem so peinlich sind, dass man sich innerlich wirklich dafür schämt. Weil einem eine blöde Bemerkung herausgerutscht ist oder man zu einem falschen Zeitpunkt gelacht hat. Weil man einen wichtigen Geburtstag vergessen oder aus Versehen ein Geheimnis ausgeplaudert hat.

Es gibt viele verschiedene Arten von Scham – und entsprechend viele Ursachen und Ausprägungen. Experten sind sich jedoch einig: Wir brauchen dieses Gefühl für uns und unsere Gesellschaft. In manchen Fällen kann es aber zu extrem werden.

Was ist Scham eigentlich?

Scham ist eine negative Emotion, die entsteht, wenn man das Gefühl hat, bestimmten Werten, Normen, Regeln oder Ansprüchen nicht gerecht geworden zu sein. »Es ist eines der schmerzhaftesten Gefühle überhaupt und wird oft übersehen«, sagt der Sozialwissenschaftler Stephan Marks, der ein Buch zum Thema geschrieben hat.

Er unterscheidet in seiner Forschung vier Grundformen, die er jeweils auf ein verletztes menschliches Grundbedürfnis zurückführt:

Scham kann dabei ganz unterschiedliche Bereiche betreffen, sagt Jakob Fink-Lamotte, Juniorprofessor für Klinische Psychologie an der Universität Potsdam und Psychologischer Psychotherapeut. Den eigenen Körper und das Aussehen, die eigene Leistung, soziale Zugehörigkeit beziehungsweise Anderssein oder sogar die eigenen Gefühle, wie beispielsweise »zu emotional« zu sein.

Wie äußert sich aber Scham? Wir werden rot, uns wird warm, das Herz rast, wir haben ein beklemmendes Gefühl in der Brust oder Stechen im Magen. Charakteristisch kann auch Verhalten sein, das dem Wunsch gerecht werden soll, sich unsichtbar zu machen. Wer sich schämt, schlägt etwa die Augen nieder, senkt den Kopf oder bedeckt das Gesicht mit den Händen. Wenn wir uns schämen, reagiert unser Körper mit der Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol oder Adrenalin.

Marks zufolge kann es vor allem bei einer massiven, traumatischen Scham passieren, dass man nicht mehr klar denken kann und nur noch weg von einer vermeintlichen Angstquelle möchte. »Individuell ist das natürlich sehr verschieden«, sagt er. Eine traumatische Scham könne aber dazu führen, dass Betroffene sich auf Dauer klein und unsichtbar machen oder aggressiv gegen andere oder sich selbst werden.

Wie lässt sich mit Scham umgehen?

»Der erste Schritt ist, überhaupt zu merken, dass irgendetwas komisch ist«, sagt der Sozialwissenschaftler. Etwa, wenn man jemandem nicht mehr in die Augen sehen kann. »Das ist ein Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung bei mir ist.« Und damit ein Signal, innezuhalten.

Anna Unger-Nübel, Psychologin und Autorin bei der Online-Therapie-Plattform »HelloBetter«, zufolge ist es aber oftmals gar nicht so einfach, Scham bei sich zu erkennen und zu benennen. Viele hätten nicht gelernt, wie sie mit dem Gefühl umgehen können, sondern eher vorgelebt bekommen, das Gefühl wegzuschieben. Die Psychologin kennt aber Strategien, die den Umgang mit dem oft schmerzhaften Gefühl erleichtern. Sie rät,

»Scham macht einsam«, sagt auch Marks. Doch wer es schafft, seinen Freunden oder Angehörigen eine peinliche Situation zu erzählen, kann das negative Empfinden unter Umständen sogar in etwas Positives ummünzen: »Geteilte Scham sorgt nicht nur für Verbundenheit, sondern kann sogar Spaß bringen, indem man gemeinsam darüber lacht«, so der Sozialwissenschaftler.

Produktive oder destruktive Scham

Doch manchmal reichen diese Strategien nicht aus – etwa wenn Scham nicht mehr nur gelegentlich auftritt, sondern das tägliche Leben dauerhaft einschränkt. Dann kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.

Fink-Lamotte zufolge ist es wichtig, hier zwischen produktiver und destruktiver Scham zu unterscheiden. Produktive Scham helfe uns, soziale Grenzen wahrzunehmen und unser Verhalten zu reflektieren. Etwa, wenn wir merken, dass wir jemanden unfair behandelt oder gegen eigene Werte verstoßen haben. »Sie gibt uns soziale Orientierung und hilft, unsere Beziehungen zu schützen«, so der Psychologische Psychotherapeut.

Destruktive Scham dagegen entsteht, wenn Menschen sich nicht nur für ein Verhalten, sondern als ganze Person als falsch, minderwertig oder nicht liebenswert erleben. »Dann führt Scham nicht zu Entwicklung, sondern zu Rückzug, Selbstabwertung und psychischer Belastung«, sagt Fink-Lamotte.

Laut Anna Unger-Nübel ist es spätestens dann Zeit, Hilfe zu suchen, wenn aus Scham das Gefühl entsteht, sich nicht mehr äußern oder in eine Gruppe einbringen zu können, Handeln und Denken eingeschränkt sind und Betroffene denken: »Mit mir ist etwas nicht richtig.« Auch wer aus Angst vor der Scham soziale Situationen vermeidet, sollte über professionelle Hilfe nachdenken.

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