| Barbara Döring |
| 25.06.2026 14:00 Uhr |
Scham ist nicht nur unangenehm, sie hat auch eine regulierende Funktion für das soziale Leben. / © Getty Images/Viktor Gladkov
Sich zu schämen ist eine meist wenig willkommene Emotion, weil sie zu Verhaltensweisen wie Ausflüchten und Aggression führen kann, die Dritte als unerwünscht empfinden. Die Ergebnisse einer im Fachjournal »Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America« (PNAS) veröffentlichten internationalen Studie unter Leitung der Universität Greifswald wirft ein neues Licht auf das Thema. Sie unterstützt eine bislang wenig prominente Theorie, nach der Scham für Betroffene eher nützlich ist.
Für die Studie lasen Teilnehmende aus verschiedenen Ländern in Europa, den USA sowie China Szenarien über mögliche persönliche Misserfolge. Anschließend sollten sie bewerten, wie stark sie sich in jeder Situation schämen würden.
Dabei zeigte sich ein klares Muster über alle geografischen Standorte hinweg, obwohl die beteiligten Länder große kulturelle Unterschiede aufweisen, etwa im Schamgefühl bezüglich Intimität oder Ehrgefühl. Menschen schämten sich vor allem stark bei schwerwiegenden Fehlern, die auf Defizite bei gesellschaftlich geschätzten Eigenschaften wie Intelligenz oder Kommunikationsfähigkeit hinweisen. Das Schamgefühl war zudem besonders groß, wenn ein Fehler öffentlich sichtbar war und andere ihn beobachtet haben.
Scham stellt sich demnach vor allem dann ein, wenn der eigene Ruf bedroht ist und signalisiert Menschen, wann sie mit ihren Handlungen das Risiko eingehen, dass andere sie abwerten. Sich zu schämen könnte also ein evolutionärer Schutzmechanismus sein, der hilft, der eigenen Reputation nicht zu schaden.
»Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass grundlegende Mechanismen der Scham weitestgehend universell sind«, betont Argaman. »Kulturelle Normen beeinflussen vielleicht, wie intensiv Scham erlebt wird oder wie man damit umgeht, doch der Trigger bleibt derselbe.« Auch wenn Scham schmerzhaft sei, könne sie letztendlich hilfreich sein, um soziales Verhalten zu regulieren.