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Bereits im Praktischen Jahr

Wachsam sein für Rezeptfälschungen

Apotheken sind durch die Überprüfung von Verordnungen eine wichtige Kontrollinstanz, wenn es um gefälschte Rezepte geht. Da Rezeptfälscher sich häufig neue Mitarbeiter oder Neulinge als Zielperson heraussuchen, sollten auch Pharmaziepraktikanten die Anzeichen für eine Fälschung kennen und wissen, wie sie sich in solch einem Fall am besten verhalten.
Julia Lanzenrath
16.10.2020  07:00 Uhr

Zu Beginn des Praktischen Jahrs fühlen sich Pharmazeuten im Praktikum (PhiP) manchmal überfordert. Denn egal, ob man sich zuvor schon eifrig mit Büchern vorbereitet hat – sobald man plötzlich im Handverkauf (HV) steht und der Kunde einem Rezepte entgegenstreckt, geraten einige zunächst einmal etwas in Hektik.

PhiP müssen dann die formalen Anforderungen an Rezepte kennen, nicht nur, um Fehler bei deren Belieferung zu vermeiden, sondern auch, um mögliche Fälschungen zu erkennen. Denn Rezeptfälscher picken sich beim Einlösen eines Rezepts in Apotheken häufig neue Mitarbeiter und potenzielle Berufseinsteiger heraus. Sie erhoffen sich, dass diese die Fälschung nicht direkt enttarnen können. Woran lässt sich eine solche Fälschung also erkennen und wie verhält man sich richtig, wenn man Zweifel an der Echtheit des Rezepts hat?

Auffälligkeiten erkennen

Auf gefälschten Verordnungen stehen meist Arzneistoffe mit hohem Missbrauchspotenzial wie Schmerz- und Schlafmittel. Klassiker sind Benzodiazepine, Tramadol oder Tilidin, die Z-Substanzen Zopiclon und Zolpidem oder auch Psychopharmaka wie Pregabalin, Haloperidol, Fluoxetin, Amitriptylin und Pramipexol. Obwohl die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) diese Arzneimittel erstatten, werden sie bei Rezeptfälschungen häufig auf einem Privatrezept »verordnet«. Privatrezepte müssen nicht dem Muster 16 entsprechen und sind deshalb vergleichsweise leichter zu fälschen. Auch bei Substanzen, die zum Doping oder Bodybuilding missbraucht werden können, sollte man die Möglichkeit einer Fälschung zumindest erwägen. Dazu gehören beispielsweise Somatropin und Testosteron.

Bestimmte Angaben zum Kunden selbst können ein weiterer Hinweis sein. Wohnt dieser beispielsweise nicht in der Nähe zur Apotheke und ist unbekannt, kann dies unter Umständen einen Verdacht bestärken. Je nach Situation kann das Apothekenpersonal den Kunden diskret darauf ansprechen: »Oh, Sie kommen aus Hannover? Machen Sie hier Urlaub?« Normalerweise reagiert ein Kunde auf solche Fragen eher gelassen und steigt in das Gespräch ein. Rezeptfälscher hingegen fühlen sich bei Rückfragen oft »ertappt«. Im Zuge dessen reagieren sie oft unfreundlich oder geben einen Grund vor, warum sie nun leider doch eine andere Apotheke aufsuchen müssen. Auch wenn damit das Problem erst einmal abgewendet scheint, bleibt die Gefahr bestehen, dass die andere Apotheke dem Fälscher auf den Leim geht. Wenn die verordnende Arztpraxis ebenfalls unbekannt ist und man nicht aus dem Kopf bestätigen kann, ob Name, Anschrift und Telefonnummer der Praxis auch korrekt sind, kann man im Zweifel schnell das Internet zu Hilfe nehmen. Häufig geht dies relativ unauffällig direkt am HV.

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