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Long Covid

Virusfragmente noch lange nachweisbar

Virusreste auch in anderen Organen

In welchen Geweben das Coronavirus im Körper überdauert, kann dabei offenbar verschieden sein. Laut einer als Preprint auf »Research Square« veröffentlichten Arbeit eines Forscherteams um Dr. Daniel S. Chertow vom NIH Clinical Center in Bethesda, USA, waren in Autopsiegewebe von 44 genesenen Personen Hinweise auf das Vorkommen viraler RNA in vielen Organen zu finden, darunter im Herzen, in den Augen und im Gehirn. Diese Autoren zeigen, dass virale RNA und virale Proteine noch bis zu 230 Tage nach der Infektion nachweisbar waren.

Obwohl sich somit die Hinweise verdichten, dass das Coronavirus zumindest bruchstückhaft – als »Geist«, wie Bhatt es griffig bezeichnet – im Darm und in anderen Organen relativ lange überdauern kann, ist damit noch nicht der Nachweis erbracht, dass dies Long Covid verursacht. Es scheint aber zunehmend wahrscheinlich, dass die »Coronavirus-Geister« zumindest bei einem Teil der betroffenen Patienten an der Pathologie beteiligt sind.

Anhaltende Beschwerden über zwei Jahre

Zurzeit ist die Suche nach den Ursachen von Long Covid noch Grundlagenforschung. Im Sinne der vielen Betroffenen auf der ganzen Welt, die infolge einer Coronainfektion dauerhaft stark eingeschränkt sind, wäre es aber natürlich wünschenswert, wenn sich möglichst bald ein ursächlicher therapeutischer Ansatz daraus ergeben würde.

Gerade erst hat eine Untersuchung mit knapp 2500 Covid-19-Genesenen aus Wuhan gezeigt, wie lange die Betroffenen nach der Infektion mit Long Covid zu kämpfen haben. Laut der Studie, die im Fachjournal »The Lancet Respiratory Medicine« erschien, hatte die Hälfte der Teilnehmer (55 Prozent) zu diesem Zeitpunkt noch mindestens ein Symptom, am häufigsten Fatigue oder Muskelschwäche. Generell war der Gesundheitszustand der ehemaligen Covid-19-Patienten schlechter als der der Allgemeinbevölkerung.

Das Ergebnis ist aus mehreren Gründen nicht 1:1 auf die heutige Situation übertragbar. So handelt es sich bei den Teilnehmern ausschließlich um Personen, die damals aufgrund von Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten. Mittlerweile hat sich außerdem sowohl das Virus weiterentwickelt – die derzeit dominante Omikron-Variante führt seltener zu schweren Krankheitsverläufen als das Wildtypvirus – als auch die Behandlungsmöglichkeiten. Ein Großteil der Bevölkerung ist zudem geimpft und dadurch vor schweren Verläufen und Hospitalisierung gut geschützt.

Dennoch zeigt die Studie, wie groß der Bedarf an wirksamen Therapeutika für die stetig wachsende Gruppe der Long-Covid-Betroffenen ist. Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts leiden 37,6 Prozent der erwachsenen Patienten, die wegen Covid-19 hospitalisiert werden müssen, unter Langzeitfolgen. Bei denjenigen mit milderen Verläufen sei der Anteil schwieriger zu schätzen und werde abhängig von der Datenbasis, Falldefinition und Studienmethodik mit 7,5 bis 41 Prozent angegeben.

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