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Corona-Infektionen

Virus-Variante Delta nimmt in Deutschland weiter zu

Derzeit ist die Corona-Inzidenz in Deutschland sehr niedrig. Doch die als besonders ansteckend geltende Delta-Variante beginnt sich auszubreiten. Droht durch die neue Mutante bald eine vierte Welle?
dpa
17.06.2021  13:02 Uhr

Die Inzidenz lag lange nicht so niedrig wie im Augenblick: Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstagmorgen mit bundesweit 11,6 an (Vorwoche: 19,3). Während die Infektionszahlen insgesamt sinken, nimmt die Delta-Variante (b.1.617.2) anteilsmäßig zu. Die in Indien entdeckte Coronavirus-Variante hat ihren Anteil an den SARS-CoV-2-Neuinfektionen in Deutschland binnen einer Woche deutlich gesteigert. Mit 6,2 Prozent in der Kalenderwoche 22 (31. Mai bis 6. Juni) bleibe sie aber weiter relativ selten, heißt es im jüngsten Bericht des RKI. In der Woche zuvor (KW 21) hatte der Anteil der Delta-Variante an den untersuchten Proben samt Nachmeldungen noch bei 3,7 Prozent gelegen. Das RKI wertet einmal pro Woche die Anteile der gemeldeten Virus-Varianten aus, die als besorgniserregend eingestuft werden.

Mit einem Anteil von gut 86 Prozent an den untersuchten Proben löste die Variante Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien) in der ersten Juniwoche bundesweit jedoch weiter den Großteil der Infektionen aus. Ihr Anteil sinkt allerdings langsam. Die weiteren besorgniserregenden Varianten Beta (B.1.351) und Gamma (P.1) spielen nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle.

Für den Dortmunder Immunologen Professor Dr. Carsten Watzl ist die deutliche Zunahme bei der Delta-Variante allein noch kein Indikator für eine drohende vierte Welle. »Wir müssen aber aufpassen, dass die Inzidenzen nicht durch leichtsinnige Öffnungen wieder nach oben gehen«, schreibt er auf Twitter. Watzl schätzt aus kleineren Datenerfassungen, dass der Anteil der Delta-Variante in Deutschland aktuell bereits bei über 10 Prozent liegt. Das sei aber immer noch niedrig – zum Beispiel im Vergleich zu Großbritannien.

Delta-Variante hat sich in GB durchgesetzt

Dort ließ sich in den vergangenen Wochen beobachten, wie schnell die Delta-Variante die Infektionslage trotz einer weit fortgeschrittenen Impfkampagne verschlechtern kann. Im April wurden in England die ersten Fälle dieser Mutante nachgewiesen, die zum großen Teil auf Reisende aus Indien zurückgehen soll. Sie kamen an, bevor die britische Regierung Indien auf die sogenannte »rote Liste« mit verpflichtender, zehntägiger Hotel-Quarantäne setzte. Anfang Mai, als die britische Gesundheitsbehörde Public Health die Mutante als »besorgniserregende Variant«» einstufte, machte Delta bereits rund ein Viertel der Fälle aus.

Mitte Mai überholte diese Mutante dann schon die in Deutschland noch immer dominierende Alpha-Variante. Nur zwei Wochen später gab es fast nur noch Delta-Fälle. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Großbritannien derzeit wieder bei rund 70 – vorher rangierte sie wochenlang bei um die 20. Die Inzidenzen legten also rasant zu, obwohl mittlerweile bereits mehr als 57 Prozent der Erwachsenen in Großbritannien vollständig geimpft sind.

Leider sei die Delta-Variante um 60 Prozent ansteckender als die Alpha-Mutante, twittert Wissenschaftler Watzl. Darüber hinaus könne sie dem Immunschutz besser entgehen. »Daher sind die Antikörper von Personen nach der ersten Impfung kaum in der Lage, die Delta-Variante zu neutralisieren.« Voll geimpfte Menschen seien dagegen gut vor ihr geschützt.

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