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Coronavirus-Krise

via-Apotheker für Versandhandel-Einschränkungen

Der Verband innovativer Apotheken (via) fordert die Politik dazu auf, aus der Corona-Krise zu lernen und den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente zu verbieten. Auch die Rabattverträge gehörten abgeschafft, heißt es.
Charlotte Kurz
03.06.2020  13:10 Uhr

Eine klare Forderung stellt der Verband innovativer Apotheken (via) am heutigen Mittwoch an die Politik: »Der Versand mit verschreibungspflichtigen Medikamenten muss verboten, die Rabattverträge gekündigt werden.« In Anbetracht der Einführung des E-Rezepts sorgt sich via, dass der Versandhandel von den neuen Entwicklungen stark profitieren würde und demnach Apothekenschließungen vor allem in Randgebieten folgen könnten.  »Die Starken werden sich durchsetzen, die Schwachen durchfallen. Versorgung heißt dann Abhängigkeit und tagesaktuelle Preise – in Krisenzeiten wird Medizin dann Luxus sein«, so Ann-Katrin Gräfe-Bub von via.

Gräfe-Bub, zweite Vorsitzende des 2019 neu gegründeten Vereins, möchte nicht, dass der deutsche Apothekenmarkt in Zukunft von ausländischen Versandapotheken abhängig sein wird. Insbesondere in den letzten Wochen habe sich gezeigt, dass die Vor-Ort-Apotheken in der Coronavirus-Krise schnell und zuverlässig reagiert hätten. Die Versorgung sei kurzfristig den Hygieneregeln angepasst und Leistungen trotz organisatorischer Schwierigkeiten oftmals sogar noch erhöht worden. Durch längere Öffnungszeiten, Botendienstverstärkung und Investitionen in Krisenmedikamente hätten die stationären Apotheken die Gesundheitsversorgung in der Krise verlässlich unterstützt, so Gräfe-Bub, und dies ohne offizielle Zusagen von Zuschüssen. Während der Versandhandel zeitweise Lieferstopps aufgrund der erhöhten Nachfrage hätte einlegen müssen, hätten die Vor-Ort-Apotheken »wie Uhrwerke« gearbeitet: Notdienste, Einhaltung der Kühlkette für Diabetiker und Impfungen, Herstellung von Chemotherapie aber auch gewöhnlichen Rezepturen, Methadonversorgung für gesellschaftliche Randgruppen. Daran beteiligten sich die Versender nicht, so Gräfe-Bub. Gleichzeitig könnten die ausländischen Versandapotheken aber höhere Preise für die Arzneimittel verlangen. »Wir wollen und dürfen zukünftig nicht von Produzenten und Online-Apotheken im Ausland abhängig sein müssen. Schon gar nicht, wenn letztere nur eine Teilleistung anbieten wollen, die darauf ausgelegt ist, das System des Landes zu schwächen.«

Via unterstützt mit seiner Forderung den erneuten Vorstoß der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner und Wolfgang Stefinger (beide CSU), den Versand mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland gesetzlich zu verbieten.

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