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Gesund.de
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Versorgungspauschale für Chroniker ist »vertane Chance«

Zum 1. Juli 2026 startet die neue Versorgungspauschale für Chroniker. Die Plattform gesund.de sieht hier jedoch eine verpasste Gelegenheit für Millionen von Patientinnen und Patienten und empfiehlt Schritte zur Entlastung von Apothekern, Chronikern und Ärzten.
AutorKontaktPZ
Datum 30.06.2026  15:30 Uhr

Mehr Potenzial möglich

Aus Sicht von gesund.de geht die Regelung zwar in die richtige Richtung, erreicht in ihrer jetzigen Form jedoch nur einen Bruchteil derjenigen, für die sie gedacht war. Die Plattform empfiehlt deutlichere Schritte hin zur Entlastung von Chronikern, Apothekern und Ärzten. Die Debatte zeige vor allem, wie viel Potenzial ungenutzt bleibe. Wenn digitale Prozesse die Folgerezepte und Routinevorgänge übernehmen, würden alle gewinnen: Patienten sparten sich unnötige Wege, und die lokalen Versorger würden spürbar entlastet.

Rund 54 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leben laut Robert Koch-Institut mit einer chronischen Erkrankung. Vielen von ihnen hätte die ursprünglich geplante Pauschale unnötige Wege zur Arztpraxis ersparen können, so gesund.de.

»So gut gemeint die Pauschale ist, sie geht am Praxisalltag vorbei. Die Bedingungen sind so eng gefasst, dass kaum ein Patient sie erfüllt. Statt einer Entlastung entsteht ein zusätzlicher zeitintensiver Prüfaufwand«, kommentierte Annette Rennert, Hausärztin und stellvertretende Vorsitzende des Beirats von gesund.de. »Wenn wir Patienten und Praxisteams wirklich entlasten wollen, müssen wir alltägliche Praxisabläufe einfacher machen, nicht komplexer.«

»Grundidee ist richtig«

»Die Grundidee hinter der Versorgungspauschale ist richtig: Niemand sollte allein aus bürokratischen Gründen mehrfach im Jahr eine Arztpraxis aufsuchen müssen. Die jetzige Umsetzung bleibt jedoch deutlich hinter den Möglichkeiten zurück«, sagte Peter Schreiner, CEO von gesund.de. »Millionen von Menschen mit mehreren chronischen Erkrankungen, die von einer Entlastung besonders profitieren würden, werden von der Regelung nicht erfasst. Aus Sicht einer patientenzentrierten Versorgung ist das eine vertane Chance.«

Dass eine unkomplizierte Lösung möglich ist, zeige das Nachbarland Österreich. Wer dort ein Dauermedikament benötige, fordere das Folgerezept einfach bei der Praxis an, etwa telefonisch, über ein Patientenportal oder per »Rezept anfordern«-Button auf der Website. Die Ärztin oder der Arzt stelle das Rezept elektronisch aus und speichere es im zentralen e-card-System. Ein Praxisbesuch nur für das Rezept entfalle. In der Apotheke könnten Patienten ihr Medikament dann unkompliziert mit der e-card, einem e-Rezept-Code am Handy oder einem Ausdruck einlösen.

Aus Sicht von gesund.de gehören digitale Prozesse, Bürokratieabbau und eine Entlastung von Patienten und der Versorgung vor Ort zusammen.

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