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Covid-19

Verschont die Pandemie Afrika?

Mehr Exposition mit anderen Coronaviren?

Kondwani Jambo vom Malawi-Liverpool Wellcome Trust Clinical Research Programme geht der Hypothese nach, dass Afrikaner in der Vergangenheit wohl möglich stärker mit anderen Coronaviren in Kontakt gekommen sein könnten. Auch könnten Malaria oder anderen Infektionskrankheiten das Immunsystem vieler Afrikaner besser für den neue Krankheitserreger konditioniert haben. Oder bestimmte, noch unbekannte, genetische Faktoren könnten einen gewissen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten.

So können noch keine schlüssigen Antworten gegeben werden. Weitere Antikörper-Studien sind erforderlich, um ein klareres Bild zu erhalten. Und tatsächlich geht man der Sache weiter nach. So läuft derzeit eine von Frankreich finanzierte Studie an Tausenden Probanden in Guinea, Senegal, Benin, Ghana, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Erste Ergebnisse werden bis Oktober erwartet. Zudem beteiligen sich 13 Labors in elf afrikanischen Ländern an einer globalen SARS-CoV-2-Antikörperstudie, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) koordiniert wird.

Wenig überraschend wird auch die Frage gestellt, ob man nicht versuchen sollte, in Afrika eine Herdenimmunität zu erreichen, wo doch offensichtlich bereits Millionen von Afrikaner von einer Infektion genesen sind. Das könnte, so die Überlegung, Kontrollmaßnahmen vorzuziehen sein, die die Wirtschaft lähmen und der öffentlichen Gesundheit langfristig mehr schaden könnten. Vielleicht ist es tatsächlich denkbar, dass dieser Weg für Afrika gangbar ist.

Vor einem solchen Vorschlag warnt allerdings Glenda Gray, die Präsidentin des südafrikanischen Rates für medizinische Forschung. »Es könnte gefährlich sein, die Covid-19-Politik ganz auf Antikörper-Erhebungen zu stützen. Denn zum jetzigen Zeitpunkt ist überhaupt nicht klar, ob Antikörper tatsächlich Immunität verleihen«,

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