| Jennifer Evans |
| 20.08.2026 09:00 Uhr |
Gesundheitsrisiko: Ungleichheit kann junge Menschen in den Perfektionismus treiben. / © Adobe Stock/contrastwerkstatt
Jugendliche berichten heute häufiger von perfektionistischen Ansprüchen an sich selbst als noch vor einer Generation, so das Ergebnis einer von der American Psychological Association (APA) veröffentlichten Studie. Das Forschungsteam um Dr. Thomas Curran, Außerordentlicher Professor für Sozialpsychologie an der London School of Economics and Political Science, wertete dafür Daten aus 307 Studien mit mehr als 82.000 Studierenden aus den USA, Kanada und Großbritannien aus.
Die Ergebnisse zeigen einen kontinuierlichen Anstieg selbstberichteter Perfektionismuswerte zwischen 1989 und 2024. Besonders stark nahm der Aspekt der »perfektionistischen Sorgen« zu – Versagensangst, Unentschlossenheit und die Furcht vor negativer Bewertung durch andere. Er stieg seit den frühen 2000er-Jahren schneller als der des »perfektionistischen Strebens«, das auf hohe Leistungsmaßstäbe abzielt.
Die Forschenden verknüpften diese Entwicklung mit makroökonomischen Trends: Sinkt das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt, steigt das leistungsorientierte Streben. Wächst dagegen die wirtschaftliche Ungleichheit, befeuert das die perfektionistischen Sorgen. Das Autorenteam interpretiert dies als Reaktion auf strukturelle Unsicherheiten: Fehlende wirtschaftliche Chancen verstärkten den Leistungsdruck und wachsende Ungleichheit schürt die Angst vor Fehlern und sozialer Bewertung, heißt es in einer APA-Mitteilung.
Auch der Zusammenhang zwischen Perfektionismus und psychischen Symptomen wie Depressionen und Angstzuständen blieb über Jahrzehnte stabil, wie die im Fachjournal »Psychological Bulletin« veröffentlichte Studie ergab. Viel Schuld habe man der zunehmenden Social-Media-Nutzung in die Schuhe geschoben, so die Forschenden. Doch sie betonen, dass dieser Trend lange vor dem Aufkommen sozialer Medien begann – ein Hinweis auf »tiefere Ursachen« in der Gesellschaft.