Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

AMTS
-
Verordnungskaskaden – Absicht oder nicht?

Schwindel, Schlafstörungen, Gedächtnisschwierigkeiten – viele Symptome können Nebenwirkungen sein, die mitunter nicht als solche erkannt, sondern mit dem nächsten Arzneimittel behandelt werden. Worauf Apotheker achten sollen, um Verordnungskaskaden aufzudecken und richtig einzuschätzen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 07.04.2026  09:00 Uhr

Therapiealternativen kennen

Zu Punkt 2 ergibt ein Blick in die Priscus-Liste, dass die Verordnung von Oxybutynin bei dem Patienten potenziell inadäquat ist. Vorschlagen könnte man einen Wechsel auf Trospiumchlorid. In Bezug auf das HCT könnte die Dosis versuchsweise halbiert werden (Punkte 3 und 4). Wenn es darum geht, Therapiealternativen zu finden, hilft oft ein Blick in die Leitlinien zum entsprechenden Krankheitsbild. Letztlich entscheidet natürlich der Arzt, ob und wie die Medikation angepasst werden kann.

Punkt 5: Kann der neu hinzugekommene Arzneistoff einen Nutzen bringen? Da es sich im Fallbeispiel vermutlich nicht um eine echte Demenz, sondern Nebenwirkungen handelt, lautet die Antwort nein. Damit ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Verschreibungskaskade negativ (Punkt 6).

»Sie müssen und können nicht immer alle Probleme auf diese Weise lösen, aber suchen Sie das Gespräch mit Patient und Arzt bei Verdacht auf eine unangemessene Verordnungskaskade«, riet die Referentin. Im Fall von Herrn Y. könne man leicht und sofort zusätzliche Maßnahmen anraten wie befeuchtende Mundsprays, Bonbons gegen die Mundtrockenheit und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. »Seien Sie sensibel, hören Sie auf Ihr Bauchgefühl – und schauen Sie bei kritischen Arzneimitteln genauer hin.«

Mehr von Avoxa