| Daniela Hüttemann |
| 07.04.2026 09:00 Uhr |
Peters hatte ein zweites Patientenbeispiel dabei. Der 70-jährige Herr Y. kam mit seiner Tochter und einem neuen Rezept für Galantamin aufgrund des Verdachts auf eine beginnende Demenz. Er »schmatzte« während der Unterhaltung, wirkte orientierungslos und gangunsicher.
Die Apothekerin vermutete aufgrund dieser Symptomkombination anticholinerge Nebenwirkungen und wurde bei einem Blick auf den Medikationsplan fündig. Oxybutynin gehörte zu den Verdächtigen, ebenso Hydrochlorothiazid in einer Dosierung von 25 mg – zumal die vorliegenden Werte auch eine Hypokaliämie und eher niedrigen Blutdruck zeigten.
Wie geht man vor, um einen solchen Verdacht abzuklären und gegebenenfalls an den Arzt zu kommunizieren? Peters empfahl dafür eine Herangehensweise, die 2022 im »Deutschen Ärzteblatt International« in einem Reviewartikel empfohlen wurde. Dazu stellt man sich sechs Fragen:
Bei Punkt 1 erfolgt zunächst ein Blick in die Fachinformation und Literatur. Die Ermittlung eines Kausalzusammenhangs zwischen Arzneimitteleinnahme und Ereignis kann ansonsten über den sogenannten Naranjo-Score ermittelt werden (siehe Kasten). Bei Oxybutynin ist es relativ wahrscheinlich, dass es anticholinerge Wirkungen wie Verwirrheit und Mundtrockenheit (Schmatzen) auslöst.
Die Naranjo-Skala zur Einstufung der Wahrscheinlichkeit von Arzneimittelnebenwirkungen wurde entwickelt, um die Beurteilung des Kausalzusammenhangs bei allen Arzneimittelnebenwirkungen zu vereinheitlichen. Die Skala ist allerdings eher für den Einsatz in kontrollierten Studien und Zulassungsstudien als für die klinische Routine konzipiert. Trotzdem kann sie ein hilfreiches Tool sein. Benannt ist der Score nach dem Pharmakologen Dr. Claudio A. Naranjo und wurde bereits 1981 zum ersten Mal vorgestellt.
Auf der öffentlich zugänglichen Plattform www.evidencio.com für medizinische Vorhersage-Algorithmen kann der Score anhand von zehn Fragen ermittelt werden.