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Verordnungskaskaden – Absicht oder nicht?

Schwindel, Schlafstörungen, Gedächtnisschwierigkeiten – viele Symptome können Nebenwirkungen sein, die mitunter nicht als solche erkannt, sondern mit dem nächsten Arzneimittel behandelt werden. Worauf Apotheker achten sollen, um Verordnungskaskaden aufzudecken und richtig einzuschätzen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 07.04.2026  09:00 Uhr

Von einer Verordnungskaskade spricht man, wenn aufgrund einer beabsichtigten oder unbeabsichtigten Wirkung eines Arzneimittels ein weiteres verordnet wird – zum Beispiel ein Laxans, um Verstopfungen unter einem Opioid zu lindern. Das erklärte Apothekerin Vanessa Peters, Unna, kürzlich bei einer Online-Fortbildung der Apothekerkammer Hamburg. In dem genannten Fall handelt es sich um eine notwendige Folgeverordnung, die im besten Fall sogar präventiv erfolgt – genau wie eine Antiemese bei vielen Chemo- und oralen Antitumortherapien.

Verordnungskaskaden passieren jedoch auch unabsichtigt und müssen dann als solche erst einmal erkannt werden. Wichtig ist bei Symptomschilderungen, dafür sensibilisiert zu sein, genau hinzuschauen und nachzufragen, zum Beispiel im Rahmen einer Medikationsanalyse. »Manchmal kommen sie ganz unauffällig daher, wie bei Elfriede K. und ihrem Schwindel«, hatte Peters ein Patientinnenbeispiel dabei. Die Patientin kaufte wiederholt ein homöopathisches Präparat gegen Schwindel und gab an, demnächst zum HNO-Arzt zu wollen.

Ein erster Blick auf den Medikationsplan mit einem Statin, ASS 100 und drei Blutdrucksenkern ergab nichts Auffälliges. Im Gespräch kam heraus, dass Frau K. erst unter Schwindel litt, seit sie Torasemid verordnet bekam – aufgrund von Knöchelödemen. Die wiederum waren durch den Calciumkanalblocker Amlodipin verursacht. Der Lösungsvorschlag an die Arztpraxis lautete: Den Calciumkanalblocker absetzen, wechseln (zum Beispiel auf Lercanidipin) oder die Dosis reduzieren, um das Diuretikum verzichtbar zu machen.

Schleifendiuretika als Auslöser weiterer Verordnungen

Schleifendiuretika wie Torasemid lösen nicht nur Schwindel aus. Auch Hypokaliämien und in deren Folge Obstipation sind möglich (Patientenwunsch nach einem Abführmittel?). Sie können eine Dranginkontinenz verstärken, was zur Verordnung von Anticholinergika führen kann, die wiederum beispielsweise kognitive Defizite verstärken können (Patientenwunsch nach Ginkgo?). Sie können den Harnsäurespiegel erhöhen, was eine Verordnung von Allopurinol zur Folge haben kann (Patientenwunsch nach einem Mittel gegen Juckreiz und Hautausschlag?). Zudem können Schleifendiuretika den Calciumspiegel senken, was langfristig Osteoporose begünstigen kann.

»Ich bin mir sicher, Sie haben alle schon Verschreibungskaskaden gesehen«, sagte die Referentin und in der Tat folgten zahlreiche Beispiele der Teilnehmenden im Chat, darunter auch einige »Klassiker«:

  • Hustenstiller gegen »Reizhusten«, ausgelöst durch einen ACE-Hemmer,
  • Levodopa gegen Parkinson-ähnliche Symptome, ausgelöst durch Metoclopramid , das wiederum gegen Übelkeit unter Opioiden verordnet wurde,
  • PPI als Magenschutz bei NSAR, die dann nicht abgesetzt wurden,
  • Antimykotika aufgrund einer Diabetes-Therapie mit einem SGLT-2-Hemmer.
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