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Akuter Notfall

Vergiftungen im Haushalt

Wasch- und Reinigungsmittel

In jedem Haushalt finden sich viele verschiedene Putzmittel, die häufig nicht zuletzt wegen ihres ansprechenden und bunten Produktdesigns insbesondere Kleinkinder dazu verlocken, mit ihnen zu spielen oder diese gar zu »probieren«. Jedoch auch Erwachsene der genannten Risikogruppen werden oft von diesen Mitteln angezogen. Reiniger oder Spülmittel mit Verpackungen, auf denen bunte Früchte abgebildet sind und die gar entsprechend fruchtig riechen, können so zur Gefahr werden – zumal Erwachsene oft größere Mengen als Kleinkinder verschlucken. So kam es bereits zu Todesfällen bei Senioren nach Ingestion tensidhaltiger Produkte (1).

Mit Konzentrationen von etwa 10 bis 20 Prozent sind Tenside die Hauptinhaltsstoffe der meisten haushaltsüblichen Wasch- und Reinigungsmittel, also Spülmittel, Waschmittel und Allzweckreiniger. In Bad- und WC-Reinigern sowie auch WC-Steinen und ähnlichen Produkten sind zusätzlich schwache Säuren enthalten.

Alle diese Erzeugnisse wirken reizend auf die Haut und Schleimhaut und können nach Verschlucken neben Halskratzen auch Brechreiz und Durchfall auslösen. Zudem führen sie im Körper zu einer Schaumbildung. Bei vermehrtem Schäumen im Magen und anschließendem Erbrechen besteht daher die Gefahr einer Schaumaspiration, also dem Einatmen des Schaumes in die Lunge.

Keinesfalls sollte jetzt ein Erbrechen ausgelöst oder provoziert werden. Auch sollte nur wenig Flüssigkeit nachgetrunken werden. Viel trinken ist nicht indiziert, da dies zu einer vermehrten Schaumbildung führen kann. Wird hingegen gar nichts getrunken, ist die Reizwirkung im Mund- und Rachenraum stärker und es kommt unter Umständen vermehrt zum Brechreiz.

Wenn vorhanden, sollten Kinder einen bis zwei Teelöffel eines entschäumenden Mittels wie einer Simeticon-Suspension erhalten. Simeticon verhindert aufgrund seiner Oberflächenaktivität die Schaumbildung und kann so das Risiko einer Schaumaspiration reduzieren. Bei Erwachsenen wird statt eines Teelöffels ein Esslöffel verwendet.

Falls größere Mengen verschluckt wurden oder schwere Symptome wie anhaltendes Erbrechen und starker Hustenreiz auftreten, sollte immer eine ärztliche Konsultation erfolgen beziehungsweise im Notfall unter der Rufnummer 112 der Rettungsdienst alarmiert werden. Bei Unklarheiten ist eines der Giftinformationszentren zu konsultieren.

Neben den oben genannten Wasch- und Reinigungsmitteln gibt es weitere Erzeugnisse, die aufgrund ihres etwas höheren Risikos noch gesondert aufgeführt werden sollen. Dazu zählen die inzwischen vielerorts angebotenen Waschmittel-Gelkissen, also Waschmittel-Caps, -Pods und -Pads. In diesen beträgt die Tensidkonzentration oft über 70 Prozent, was zur Folge hat, dass sie deutlich stärker reizend wirken als Produkte mit geringeren Konzentrationen.

Hier sind nicht nur die Magen-Darm-Symptome stärker ausgeprägt. Bei Augenkontakt kann es zudem zu einer sehr starken Reizwirkung bis hin zur Hornhautschädigung kommen. Generell gilt, dass nach Kontakt einer Noxe mit den Augen umgehend mit reichlich lauwarmem Wasser für mindestens zehn bis zwanzig Minuten gespült werden muss. Bei anhaltender Augenreizung sollte immer ein Augenarzt aufgesucht werden.

Zusätzlich finden sich in vielen Haushalten Reinigungsmittel, die ätzend wirken. Diese Produkte sind meist Abfluss- und Rohrreiniger, es gibt allerdings auch andere Reiniger, wie Grill- und Backofenreiniger sowie einige Hygiene- oder Desinfektionsreiniger, die zu Verätzungen führen können. Nach Verschlucken solcher Reiniger ist immer der Rettungsdienst zu alarmieren. Verdünnungs- und Neutralisationsversuche sind zu unterlassen. Nach Haut- oder Augenkontakt sollte auch hier sofort mit Wasser gespült werden. Ohne Beschwerden kann anschließend Rücksprache mit dem Giftinformationszentrum erfolgen. Bei Symptomen wird eine umgehende Arzt- oder Klinikvorstellung empfohlen.

Ausdrücklich gewarnt werden muss vor dem Umfüllen von Reinigern oder anderen Chemikalien in Getränkeflaschen. Auch wenn bekannt sein sollte, dass in Lebensmittelbehältnisse inklusive Flaschen keine »artfremden« Substanzen eingefüllt werden sollen, kommt dieses nur allzu häufig vor, sodass entsprechende Unfälle keine Seltenheit sind.

Besonders gefährlich wird es, wenn gewerbliche Reinigungs- oder Desinfektionsmittel in gar nicht oder nur unzureichend beschriftete Getränkeflaschen umgefüllt werden. Da diese Erzeugnisse in der Regel deutlich gefährlicher als haushaltsübliche Produkte sind, kann es bei einer versehentlichen Ingestion zu schweren Vergiftungen kommen. Hier sollte in jedem Fall ein Giftinformationszentrum konsultiert beziehungsweise notfalls der Rettungsdienst alarmiert werden.

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